Briatore der Weltmeistermacher

10. November 2005, 13:39
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Der italienische Playboy führte Renault in vier Jahren vom Hinterbänkler an die Spitze

Shanghai - Mit champagnergetränkter Kleidung jubelte Flavio Briatore am Sonntag in China über den Doppelschlag seines Renault-Teams. Angesichts des großen Sieges über die Rivalen von McLaren-Mercedes - Platz eins in Fahrer- und Marken-WM - konnte der italienische Teamchef und Playboy seine Genugtuung nicht verbergen.

McLaren anständig und fair besiegt

"Seit drei Wochen hat McLaren den Konstrukteurstitel zum wichtigsten Titel aufgebauscht. Für mich ist zwar die Fahrer-WM der wichtigste Titel, aber was gibt es Schöneres, als diesen Titel jetzt auch noch zu gewinnen? Wir haben McLaren fair und anständig besiegt. Wir machen unsere Arbeit, wenn sie zu machen ist. Deswegen sind wir Weltmeister", bilanzierte Briatore rundum glücklich. Nach 19 Rennen wies Renault 191 und McLaren 182 Punkte auf.

Briatore vergaß auch nicht auf Teamplayer Giancarlo Fisichella, den Stallkollegen von Weltmeister Fernando Alonso. Der Italiener hatte nach seinem Sieg beim Saisonauftakt in Australien nur noch zwei Mal den Sprung aufs Podium geschafft. "Fisi war fantastisch. Viele Leute haben ihn kritisiert, aber mit seiner heutigen Leistung hat Fisi ihnen den Mund gestopft", so Briatore nach Fisichellas viertem Platz.

Ziele schnell erreicht

Renault hat bereits im vierten Jahr nach der Rückkehr in die Formel 1 groß abgeräumt, damals hatte man Benetton übernommen. Jenes Benetton-Team, das Briatore 1995 zum Marken-WM-Titel geführt hatte. "Wir sind 2001 gestartet und 2005 sind wir schon Weltmeister. Das ist fantastisch, das hat noch niemand geschafft. Ich bin sehr stolz. Wir dürfen nicht vergessen, dass Renault der erste Nicht-Sportwagenhersteller ist, der die Formel 1-WM gewinnt. Dieses Ziel haben wir in nur vier Jahren erreicht."

Briatore erinnert sich noch an die "Anfänge" des Renault-Comebacks: "Bei unserem ersten Grand Prix in der Saison 2001 in Australien starteten wir von den Plätzen 18 und 19. Ich erinnere mich noch daran, dass wir in diesem Rennen von einem Minardi überholt wurden. Am Steuer des Minardi: Fernando Alonso..."

Piloten nicht an der Leine

Im Paddock-Magazin von Red Bull, dem "Red Bulletin", erklärte Briatore über seine Einstellung zu den Freiheiten seiner Fahrer: "Viele Teamchefs sind der Überzeugung, dass ihre Fahrer wie Soldaten funktionieren müssen. Ich bin völlig anderer Meinung. Wir müssen ihnen ihren Platz und Freiheiten lassen. Natürlich gibt es Grenzen, aber intelligente Piloten erkennen diese ganz alleine. Sie müssen einfach Spaß haben dürfen. Das sind immerhin junge Menschen. Ich habe immer versucht, meinen Fahrern nicht vorzuschreiben, was sie gegenüber der Presse sagen dürfen. Ich stehe auch nicht daneben, wenn meine Jungs ein Interview geben, und höre mir an, was sie sagen. Das interessiert mich einfach nicht. Sie können sagen, was sie denken." (APA)

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    Flavio Briatore holte sich auch den Pokal für das beste Team 2005.

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