Spitzenkandidaten diskutierten live

16. Oktober 2005, 19:28
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Kleines "Duell" zwischen Häupl und Strache - Bereiche Arbeitsmarkt, Sicherheit und Gesundheit als Schwerpunkte

Wien - Die Spitzenkandidaten der Rathaus-Parteien für die Wien-Wahl am 23. Oktober haben am Sonntag zum ersten - und auch einzigen - Mal an einer TV-Diskussion teilgenommen: Im Rahmen der Live-Diskussion im ORF-Studio Wien (Moderation: Chefredakteur Paul Tesarek) waren dabei nicht nur altbekannte Standpunkte zu hören, sondern es wurde auch angriffig diskutiert: So gab es etwa heftige Kritik am FPÖ-Wahlkampf - und zwar vom SPÖ-Spitzenkandidaten, Bürgermeister Michael Häupl.

"Restlichen Schäfchen" sammeln

"Hören sie mit ihren Lügen auf. Sie reden ihre Stadt tot und krank", meinte Häupl in Richtung des FPÖ-Chefs Heinz-Christian Strache. Er solle lieber seine "restlichen Schäfchen" sammeln. "Damit haben sie genug zu tun", meinte Häupl. Zusatz: "Darüber, wie sie Wahlkampf führen, werden wir uns nach der Wahl noch unterhalten."

Strache ließ sich davon nicht beirren. Es brauche eine starke Kontrollpartei in dieser Stadt, betonte er. Sein Wahlziel formulierte Strache so: "Zweistelligkeit, so hoch wie möglich." Der Wahlkampf der FPÖ war bereits zuletzt massiv kritisiert worden - unter anderem von der Islamischen Glaubensgemeinschaft, die an Slogans wie "Pummerin statt Muezin" Anstoß genommen hatte.

Kritik an hoher Arbeitslosigkeit

Thematische Schwerpunkte waren die Bereiche Arbeitsmarkt, Sicherheit und Gesundheit. Von der Opposition kam zunächst Kritik an der hohen Zahl der Arbeitslosen. ÖVP-Spitzenkandidat und Parteichef Johannes Hahn forderte eine Konzentration auf Branchen wie Umwelttechnik, Pharmazie, Biotechnologie oder auch Sicherheit. Damit könne man in den nächsten Jahren 30.000 Arbeitsplätze schaffen. Hahn: "Das sind so viel, wie in der Ära Häupl netto verloren gegangen sind".

FP-Chef Strache sprach sich für Prämien für Unternehmer aus, die bereit seien, Lehrlinge auszubilden. Häupl verwies an dieser Stelle auf jüngst getroffene Maßnahmen, die garantieren sollen, dass jeder Jugendliche im Herbst einen Lehrplatz bekommt. Das Problem der Arbeitslosigkeit wolle er aber keinesfalls schönreden, betonte Häupl.

Die Spitzenkandidatin der Grünen, Rathaus-Klubobfrau Maria Vassilakou, forderte Investitionen in den ökologischen Wohnbau sowie in die Solartechnologie - und machte sich für das Grüne Grundsicherungsmodell stark. Dieses sehe 800 Euro bzw. die Aufzahlung auf diesen Betrag für all jene vor, die unter der Armutsgrenze leben. Für eine Auflösung des Polytechnischen Lehrgangs und der Einführung einer neunmonatigen Schnupperlehre plädierte BZÖ-Spitzenkandidat Hans-Jörg Schimanek.

Hahn will Stadtpolizei

Beim Thema Sicherheit lobte Bürgermeister Häupl die neue Sicherheitspartnerschaft mit dem Innenministerium. Wobei für das Fehlen von Exekutivkräften in Wien der Bund verantwortlich sei: "Die Polizei heißt nicht zufällig Bundespolizei." FP-Chef Heinz-Christian Strache unterstützte die Forderung nach mehr Polizei, während Hahn die ÖVP-Forderung nach einer Stadtpolizei bekräftigte - die nicht nur von der SPÖ, sondern auch von den Grünen abgelehnt wird, wie Grünen-Chefin Vassilakou deutlich machte.

Vom BZÖ-Vertreter Hans-Jörg Schimanek kam hingegen Zustimmung zur FPÖ-Diagnose der - laut FP-Chef Strache inzwischen höchst bedenklichen - Sicherheitssituation in Wien. "Ist ja kein Fehler, wenn einzelne Parteien, die gleichen Ziele anstreben", meinte Schimanek. Trotzdem bekam er wenig später von Strache zu hören: "Jede Stimme für Sie ist eine verlorene."

Im Rahmen der Debatte zum Thema Gesundheit berichtete Wiens ÖVP-Chef Hahn von der Bereitschaft des ehemaligen Rechnungshofpräsidenten Franz Fiedler, für Kontrolltätigkeiten in der Stadt zur Verfügung zu stehen - etwa als "kontrollierender Stadtrat". (APA)

  • Michael Häupl: Einer unter Spitzenkandidaten.
    foto: standard/robert newald

    Michael Häupl: Einer unter Spitzenkandidaten.

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