Herbert Hufnagl 1945-2005

4. November 2005, 12:52
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Der "Kopfstücke"-Autor war ein Lichtblick im Meinungsjournalismus

Er war kein Zyniker. Der österreichische Kolumnist Herbert Hufnagl hat oft unter den Zuständen, meist österreichischen, die er satirisch, feuilletonistisch, sarkastisch beschrieb, wirklich gelitten. Dummheit, Niedertracht, Selbstgefälligkeit, bürokratische Indolenz gaben zwar das Material für seine "Kopfstücke" im "Kurier" ab, belasteten ihn aber oft mehr, als einem Autor gut tut. Der Ton seiner Glossen blieb trotzdem fast immer leicht, heiter, voll überlegener Ironie. Auch in den letzten Jahren, als er schon von seiner bedrohlichen Krankheit wusste. Er ließ sich niemals zu der Menschenfeindlichkeit hinreißen, die bei manchen populistischen Schreibern und "Dichtern" durchschimmert(e). Er hatte für sie übrigens nur Verachtung - und er litt darunter, dass ihn die Zwänge der "Mediaprint"-Verflechtung manchmal an der notwendigen Deutlichkeit hinderten.

Die "Kopfstücke" des Herbert Hufnagl waren ein Fixpunkt und Lichtblick im heimischen Meinungsjournalismus. Sie stellten eine Innovation dar, waren als solche von der Blattführung allerdings nicht geplant. Mit den "Kopfstücken" wurde Herbert Hufnagl zu einer journalistischen Marke. Das ist sein alleiniges Verdienst, denn seine journalistischen und verlegerischen Oberen wollten ihn mit der Kolumne eher abfinden als fördern.

Als Chef des Kulturressorts abgesetzt

Er war Herrschaften unter den damaligen "Kurier"-Eigentümern, die ihre Bedeutungslosigkeit im eigenen Familienunternehmen mit allerlei Interventionen kompensieren wollten, als Chef des Kulturressorts zu liberal und wurde abgesetzt. Das traf ihn sehr hart, aber er zog sich mit einer gerade beim Kurier-Publikum immer beliebteren Kolumne selbst aus der Depression und in eine neue, erfolgreiche Karriere. Das war seine Rache.

Hufnagl war schon als ganz junger Mann beim "Kurier" gelandet und hatte die harte Schule des Lokalreporters durchgemacht. Als wir einander beim "Kurier" begegneten, betreuten wir gemeinsam u.a. die Reportagenseite und machten uns bei Kollegen beliebt, indem wir eine Liste der ärgsten Banalitäten erstellten und verkündeten, wer derlei zu seinem Wortschatz zähle, brauche seine Manuskripte gar nicht erst einreichen. Hufnagl hasste wenig so sehr wie sprachliche Verwahrlosung. Bei den erfolgreichen Lesungen aus seinen Büchern zeigte er sicheres Pointen-Timing.

Er, der immer sehr sportlich gewesen war, starb mit 60 Jahren. Seine Familie, seine Freunde und der österreichische Journalismus hätten ihn noch sehr viel länger gebraucht. (DER STANDARD, Printausgabe, 17.10.2005)

Von Hans Rauscher
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