Der Feuerteufel von Favoriten

9. November 2005, 13:32
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O. Lendl im Kabarett Niedermair

Wien - Olivier Lendl ist irgendwie altmodisch: Er macht handwerklich saubere Comedy. Und er agiert mitunter, als spiele er mit in einem Dick-und-Doof-Stummfilm: Zu seinen pantomimischen Einlagen summt er die Musik dazu. Besonders einfallsreich sind seine Sketches leider selten: Adolf Hitler schickt seine Getreuen an die Ostfront, weil sie heimlich im Führerbunker geraucht haben. Und ein Pfarrer verteidigt sich für seine homosexuellen Umtriebe. Na ja.

Aber für sein neues Programm, präsentiert im Kabarett Niedermair, hat er sich zumindest eine nette Rahmenhandlung einfallen lassen: Der Icherzähler geht am Abend ins Beisl, um sich Zigaretten zu kaufen - und plötzlich wird in den Nachrichten vor O. Lendl, dem Feuerteufel von Favoriten, gewarnt.

"Der Feuerteufel von Favoriten": Das wäre ein treffender Titel gewesen. Denn in Verlierer sind sexy befindet sich O. Lendl andauernd auf der Flucht - bis er auf den echten Feuerteufel stößt, der ihm ziemlich ähnelt. Der Brandstifter hat sich schließlich in Sopron ein Durchschnittsgesicht verpassen lassen ...

Aber O. Lendl besitzt zumindest eine markante Zahnlücke. Und so gerät er auf seiner Irrfahrt durch Österreich, die ein wenig an Mike Supancic' Roadkabarett Das Geheimnis von Imst erinnert, in skurrile Situationen. Der Bürgermeister eines Dorfes will Elfriede Jelinek zur Ehrenbürgerin ernennen, weil sie dort mit sechs Jahren das Schifahren erlernte, und er bedauert, dass er aus Geldmangel die Asylantenfamilie nicht aufnehmen konnte. Die Jelinek kommt zwar nicht, das sündteure 45-minütige Feuerwerk wird dennoch abgefackelt.

Als Höhepunkt wohnt O. Lendl einer Staatsvertragsshow in Amstetten bei, in der es um die Frage geht, hinter welcher Partei sich der alte Nazi versteckt habe. Nach der Pause allerdings geht ihm der Faden aus: Verlierer sind sexy wird zur Nummernrevue. (DER STANDARD, Printausgabe, 15./16.10.2005)

Von Thomas Trenkler

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