Und hier ist der Schnee von morgen

7. November 2005, 14:27
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Abschließendes Thema beim "World Winter Forum" in Wien: die Zukunft

Abschließendes Thema beim "World Winter Forum" in Wien: die Zukunft. "IDE Technologies", eine Firma aus Israel, will Schnee in der Wüste erzeugen können und, wenn sich das Klima weiter erwärmt, auch Nordamerika und Europa berieseln.

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Wien - Für Moshe Tessel, den Manager des "Refrigeration-Departments" von IDE, ist es nur eine Frage der Zeit, bis große Skigebiete auf die Entwicklung seines Unternehmens zurückgreifen müssen. Auf technische Details wollte er in seinem Vortrag unter dem Titel "Schnee in der Wüste" nicht näher eingehen, er verriet nur, dass "Wasser einem Vakuum ausgesetzt" werde, so sei es möglich, bei Temperaturen von bis zu 35 Plusgraden Celsius jede Menge Schnee zu erzeugen. Jede Menge? "Eine Tonne Schnee pro Tag und Maschine."

Der Schnee von morgen wird bei durchaus sommerlichen Temperaturen in Südafrika bereits testmäßig aufgeschüttet. Die Wüste, gab Tessel dann freilich zu, sei nicht das erste Zielgebiet. Kunden erhofft man sich eher in Nordamerika und Europa. Dort könnte der Schnee, der heute noch vom Himmel fällt oder aus der Kanone kommt, schon bald von gestern sein.

Günstiger als Kunstschnee

"Wenn sich das Klima, wie viele Forscher prophezeien, weiter erwärmt", sagt Tessel, "werden wir davon profitieren. Dann liegen hier die Märkte, die wir erschließen wollen." IDE, ursprünglich auf Entsalzungsanlagen spezialisiert, könne Schnee produzieren, der günstiger sei "als der aktuelle Kunstschnee, der momentan zum Beispiel in Österreich produziert wird. Wir verbrauchen auch weniger Energie", so Tessel.

Wie die Skifahrer der Zukunft, die auf dem Schnee der Zukunft unterwegs sein werden, aussehen könnten, damit beschäftigt sich der deutsche Trendforscher Eike Wenzel. Er sieht, wie er in seinem Vortrag am Freitag betonte, ein Ende jenes Spaßtourismus gekommen, den tags zuvor schon der Salzburger Schauspielchef Martin Kuzej und Tobias Moretti in einer Doppelconference aufs Korn genommen hatten. Wenzel geht "von den Megatrends Reife, Gesundheit, Hyper Consuming, Individualisierung und Female Shift" aus. Die "Ausdifferenzierung der Gesellschaft" in beispielsweise männliche Singles oder Patchworkfamilien lasse eine massenhafte Ansprache der Konsumenten im 21. Jahrhundert kaum noch zu.

"Graue Revolution"

Die Kunden legen laut Wenzel verstärkt auf Gesundheit Wert und vernachlässigen das mittlere Marktsegment - vor dem Hintergrund der "Grauen Revolution", die einen Boom der 50-Plus-Touristen mit sich bringe. Wenzel beobachtet "keinen Streik der Konsumenten", sondern "einen Mangel an individualisierten Produkten". Eine Gruppe, die der Trendforscher hervorhebt, sind die "LOHAS" (Lifestyle of Health und Sustainability"), er nennt sie einen "Cluster von moralischen Hedonisten", die Werte ohne erhobenen Zeigefinger einfordern. Den LOHAS solle die Tourismusindustrie aufmerksamer begegnen, dabei aber nicht trendopportunistisch handeln. Laut Wenzel wird naturnahes Genießen die Nachfrage bestimmen, immer öfter werde die Destination "Ich" gesucht, die Beschäftigung mit sich selbst. (fri, red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15./16.10.2005)

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