Hoteliers treten Flucht nach vorn an

7. November 2005, 14:27
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Die Furcht vor härteren Bonitätsregeln durch Basel II führt dazu, dass Hoteliers alles daran setzen, ihre Perfor­mance zu verbessern

Wien - Das Schreckgespenst härterer Eigenkapitalregeln und die Angst, um einen dringend benötigten Kredit umzufallen, beginnt nun bei den Hoteliers zu wirken. Sie versuchen auf relativ breiter Front ihre extrem niedrige Eigenkapitalausstattung zu verbessern. Ein Umstand, der deshalb beachtlich ist, weil die Hotellerie dabei seit Jahren den österreichischen Negativrekord gehalten und auch nicht sonderlich viel dagegen unternommen hat.

Wiesen die 5521 heimischen Drei-Stern-Häuser vor sechs Jahren noch im Schnitt einen erschreckenden Wert von -27,5 Prozent auf, werden sie sich heuer auf ein erträglicheres Minus von sieben Prozent verbessern können. Davon geht jedenfalls Franz Hartl, Chef der Österreichischen Tourismusbank (ÖHT), im Gespräch mit dem STANDARD aus.

Eine noch günstigere Prognose kann der Banker für die noblen 2049 Vier- und Fünf-Stern-Häuser abgeben, die ihre negative Eigenkapitalquote von minus 8,5 Prozent (1999) "heuer sogar in ein Plus von fünf bis sechs Prozent verwandeln werden."

Basel II

Der Anstoß für diese Flucht nach vorne, kommt vom so genannten Basel II-Abkommen. Wie berichtet, müssen Banken dadurch die Eigenkapitalunterlegung von Krediten stärker nach der Bonität ihrer Kunden differenzieren. Sprich: Für miese Betriebe mit hohem Ausfallrisiko wird es teuer. Basel II soll Ende 2006 EU-weit in Kraft treten.

"Dadurch, dass die österreichische Nationalbank von den Bankinstituten jedoch schon die Einteilung ihrer Kreditnehmer in Risikoklassen verlangt, schlägt Basel II schon jetzt durch," unterstreicht Hartl. Drehte es sich in den Bilanzen bisher oft nur um den Gesichtspunkt der Steuervermeidung, geht es den Tourismusunternehmern, aus Angst vor dem Verlust ihrer Kreditwürdigkeit jetzt "um ein vernünftiges Bilanzbild." Da passt auch ins Bild, dass es bei den Hotel- und Gastrobetreibern einen Trend zum Mezzaninkapital (ÖHT-Fondsvolumen: 13 Millionen Euro seit 2004) gibt. Eine Ablehnungsquote von 70 Prozent zeugt freilich auch davon, dass dabei "schlechten Betrieben kein gutes Geld nachgeschmissen wird". Und von denen gibt es noch genug: Vor allem Unternehmen mit einer Betriebsgröße von 50 bis etwa 150 Betten haben es besonders schwer.

Touristisches Greißler-Sterben

In diesem Segment findet derzeit das touristische Greißler-Sterben primär statt. "Diese Betriebe haben einerseits oft nicht den Charme kleiner Familienhotels und können sich andererseits aber auch nicht die Infrastruktur leisten, die vom Kunden in Häusern solcher Größe gefordert wird," konstatiert der ÖHT-Chef.

Die "Kleinen" kommen derzeit mit ihren 20 bis 40 Betten hingegen gut über die Runden. Bei den ganz großen Häusern, die über 200 Betten vermieten, verflacht die Erfolgskurve. Als besonders erfolgreiche Unternehmen gelten die, welche 150 bis etwa 200 Gästebetten aufweisen. Sie haben zum Teil eine Auslastung von 185 Tagen/Jahr und damit Spitzenwerte aufzuweisen. Sie sind es auch, welche die Finanzkraft für Investitionen, etwa einen sinnvollen Wellness-Betrieb haben. Pro Zimmer müssen dafür im Schnitt immerhin 20.000 Euro aufgebracht werden. (Monika Bachhofer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15./16.10.2005)

  • Neben einer optimalen Betriebsgröße gelten vor allem sinnvolle Wellnessangebote als Gebot der Stunde, um nicht im Regen zu stehen.
    foto: epa/keystone

    Neben einer optimalen Betriebsgröße gelten vor allem sinnvolle Wellnessangebote als Gebot der Stunde, um nicht im Regen zu stehen.

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