Streit, der für gute Stimmung sorgt

21. Oktober 2005, 15:22
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Der jüngst ausgebrochene Konflikt zwischen der SPÖ und den Grünen schadet im Wahlkampf vor allem der ÖVP

SPÖ und Grüne haben Stimmung in den Wiener Wahlkampf hineingebracht. Der Streit, wer denn Schmied und wer Schmiedl sei, nützt vor allem ihnen selbst: Maximale Aufmerksamkeit ist ihnen sicher – zum Leidwesen der ÖVP, die da nicht mitreden kann.

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Wien – Fast muss man der SPÖ und den Grünen dankbar sein, dass sie sich täglich gegenseitig das Schlechteste nachsagen.

Eigentlich könnte die rot- grüne Diskussion, wer denn der Schmied und wer der Schmiedl sei, zumindest in Wien nebensächlich sein – denn mit einer absolut regierenden SPÖ ist das rasch geklärt. Doch sie ist – eine Woche vor der Wahl – Futter für einen sich dahin schleppenden Wahlkampf, bei dem der Sieger immer schon feststand und das Rennen um Platz zwei zwischen den Grünen und der ÖVP oft konturenlos blieb.

Dass der rote Goliath sich mit dem grünen David streitet, kommt für beide nicht ungelegen. Die Grünen haben ein Ziel erreicht: maximale Aufmerksamkeit sowie Medienpräsenz – und, damit verbunden, die Hoffnung auf einen hohen Mobilisierungsgrad. Und um Letzteren sorgen sich auch die Rathaus-Roten. Sie werden in Umfragen bis zu 55 Prozent hochgepusht – einem theoretischen Maximalwert.

2001 kamen sie auf 46,9 Prozent. Die SP-Parteistrategen sind dementsprechend zurückhaltend: In der neuesten eigenen Umfrage liegt man bei vorsichtigen 49 Prozent.

Ähnliche Sorgen wie die SPÖ – freilich auf weitaus niedrigerem Niveau – plagen die Grünen. Die Erwartungen mit bis zu 20 Prozent sind äußerst hochgeschraubt, als "Umfragenkaiser" gilt die 12,5-Prozent-Partei so und so schon seit langem, und das schwache Abschneiden in der Steiermark und im Burgenland hat den Druck erhöht.

Ob sich das grüne Schwächeln günstig für die Wiener ÖVP auswirken wird, ist offen. Laut zuletzt veröffentlichten Daten des Gallup-Instituts könnte die Volkspartei 19 Prozent der Stimmen erreichen (Wahl 2001: 16,4 Prozent) und die Grünen mit 17 Prozent auf Platz drei verweisen. Es geht aber auch andersherum: In der neuesten Umfrage der SPÖ führen die Grünen (20 zu 18).

In der VP-Bundespartei verfolgt man den Wahlkampf der Wiener Kollegen skeptisch. Medial durchzukommen fällt der VP-Wien schwer.

Die Versuche von Parteichef Wolfgang Schüssel, Spitzenkandidat Johannes Hahn zu helfen, sind verpufft. Symptomatisch war der gemeinsame Auftritt bei der Klausur des Parlamentsklubs in St. Wolfgang Anfang des Monats. Während Schüssel aufs Tempo drückte, Wahlziele formulierte, verzettelte sich "Gio", um in einem Monolog über UniCredit und Bank Austria zu enden.

Dass man im Wiener Wahlkampf auch mit alten Hüten punkten kann, beweisen die FPÖ und Heinz-Christian Strache. Die "Ausländer- raus"-Parolen werden in neuem Kleid präsentiert – oft plump, aber anscheinend effizient.

Die FPÖ liegt jedenfalls über der Fünf-Prozent-Hürde. Ein zweistelliges Ergebnis wird immer wahrscheinlicher, jenes von 2001 (20,2 Prozent) bleibt jedoch unerreichbar. Nach den vernichtenden Ergebnissen anderenorts kann Strache dies allemal als Erfolg verkaufen – und hämisch auf das BZÖ blicken. Das fasst auch in Wien nicht Tritt.

Bezeichnend, dass manche Kommunisten schon davon träumen, mit der KPÖ vor der Haider-Partei zu liegen. (Peter Mayr/DER STANDARD, Printausgabe, 15./16.10.2005)

  • Cartoon: Oliver Schopf

    Cartoon: Oliver Schopf

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    Wahlplakate in Wien

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