U2-Ausbau nach Donaustadt verschoben

5. Februar 2006, 21:50
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Ein internes Schreiben der Wiener Linien belegt die Verschiebung des Baubeginns der Verlängerung um "ca. 1 Jahr"

Wien - In den Broschüren der Stadt und der SPÖ wird noch eifrig mit dem Termin geworben: Bis 2008 soll - rechtzeitig zur Fußballeuropameisterschaft - die U2 bis zum Happel-Stadion verlängert werden. Als nächsten Schritt soll die U2 dann bis 2009 nach Donaustadt bis Aspern verlängert werden. Dass diese Versprechungen für den Abschnitt Stadion - Aspern längst nicht mehr Stand der Dinge sind, kann nun der Grüne Gemeinderat Christoph Chorherr anhand eines internen Schreibens der Wiener Linien belegen: Wie es aussieht, wird erstmals in Wien die angepeilte Eröffnung einer U-Bahnlinie verschoben.

Budget "gesperrt"

Die Geschäftsführung der Wiener Linien teilte am 19. September intern mit: "Aus realistischer Sicht" sei "der Baubeginn um ca. 1 Jahr zu verschieben". Und weiter: "Die Budgetansätze für die Verlängerung Stadion - Aspern sind bis auf weiteres gesperrt."

Die Erklärung: Für die Verlängerung habe eine "kompakte und wirtschaftliche Abwicklung Vorrang", die Arbeiten seien "auf allen Bauabschnitten gleichzeitig ohne Gefahr einer Baueinstellung abzuwickeln". Und zwar "im Gegensatz zur Verlängerung der Linie U2 vom Schottenring zum Stadion - wo durch die EM 2008 extremer Termindruck herrscht, der auch unkonventionelle Vorgangsweisen erlaubt".

"Offene Grundstücksprobleme"

Da nun aber die Vergabe eines Abschnittes noch nicht abgeschlossen, eine Detailgenehmigung beeinsprucht worden sei und es "zahlreiche offene Grundstücksprobleme" gebe, sei "vorerst ein Baubeginn nicht zu vertreten".

Was Chorherr besonders ärgert ist, dass es im Schreiben weiters heißt, dass erst nach Mitte Oktober 2005 "Schritte nach Außen abzuwickeln" seien. Chorherr: "Mir wurde ein weiteres Schreiben gezeigt, in dem es wörtlich hieß, dass das Büro von Stadtrat Rieder ersucht, dies alles vor der Wahl nicht bekannt zu geben." Dies belege die typische Vorgangsweise des "Roten Wien: Nix nach außen lassen, weil wir sind so super". Chorherr "will jetzt von Bürgermeister Häupl wissen: Warum wird so etwas nicht transparent kommuniziert? Wann wird die U-Bahn jetzt fertig? 2010, 2011 oder erst 2012?"

Vor allem interessiert es Chorherr auch, "was unkonventionelle Vorgangsweisen" beim Bau bis zum Stadion seien. "Dass es massive Probleme und Belästigungen der Anrainer gibt, ist bekannt."

Schuldfrage

Das Schreiben der Wiener Linien wird von Vizebürgermeister Sepp Rieder (SP) nicht dementiert. Im Gegenteil: Der eigentliche Schuldige an der Verzögerungen sei - der Bund.

"Es gibt derzeit keine Zustimmung des Bundes für die nächste Ausbaustufe der U-Bahn", so Rieder im Standard-Gespräch. Denn Wien habe Interesse, "die Verlängerung der U2 in Richtung Asperner Flugfeld gleich in einem zu bauen". Eine provisorische Endstelle für ein paar Jahre koste zusätzlich Geld.

Das "drohende Loch"

Davon war zwar - offiziell - nie die Rede, aber intern habe es laut Rieder eine Besprechung gegeben: "Damals wurde festgestellt, wenn es bis Mitte 2005 keine Zusage des Bundes gibt, droht nach dem Bauende 2009 ein Loch. Um das zu verhindern sollte die Bautätigkeit und die Finanzierung gestreckt werden."

Zur Frage, ob nun die Fertigstellung 2009 gestorben sei oder nicht, erklärt Rieder: "2009 kann ich aus jetziger Sicht auch nicht mehr garantieren." Man habe "kein Trara darum gemacht, weil eh jeder weiß, dass der Bund herum murkst". Das alles sei aber "kein großes Problem".

Was die "unkonventionelle Vorgangsweisen" beim Bau zum Stadion betreffe, so sei damit nur "ein größeres Entgegenkommen bei Grundstücksablösen" gemeint - wegen des Zeitdruckes. Und das Schreiben, wonach dies alles erst nach der Wahl bekannt gegeben werden solle "kenne ich überhaupt nicht", so Rieder. Man habe nur zuerst "die juristischen Fragen zur Ausschreibung" klären wollen.

Der gebremste Ausbau der U2 ist nicht die erste gröbere Verzögerung bei der Angebotserweiterung der Wiener U-Bahnen: Auch die Auslieferung der neuen U-Bahngarnituren haben bereits gewaltige Verspätung: Für diesen Herbst war neben dem Prototypen der reguläre Betrieb des ersten Serienfahrzeugs versprochen worden. Ursprünglich - 1998 - war versprochen worden, dass die neuen U-Bahnzüge 2003 im Einsatz sein sollten. Im Jahr 2000 hatte es dann geheißen, die Auslieferung werde 2004 starten. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe, 15./16.10.2005)

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    foto: standard/urban
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