Europa um Eindämmung von Vogelgrippe bemüht

14. Oktober 2005, 18:39
posten

Türkei: Neun Personen unter medizinischer Beobachtung - Auch in Bulgarien Verdachtsfälle entdeckt - Experten beraten in Brüssel

Brüssel - Die Europäische Union plant derzeit zur Abwehr der Vogelgrippe kein generelles Freilauf-Verbot für Geflügel. Die Mitgliedstaaten sollen relativ viel Entscheidungsspielraum bekommen, sagte ein EU-Kommissionssprecher am Freitag in Brüssel. Mit Spannung erwartete die EU unterdessen Testergebnisse aus Rumänien, die durch Zollprobleme verzögert wurden. Ein Ergebnis werde nun nicht vor Samstagnachmittag vorliegen.

In Rumänien war ein Vogelgrippevirus H5 festgestellt worden, das häufiger vorkommt. Das EU-Referenzlabor im britischen Weybridge prüft nun, ob es sich um den auch für Menschen gefährlichen Subtyp H5N1 handelt. Auch in Bulgarien gibt es mittlerweile Verdachtsfälle. Tests sollen zeigen, ob es sich auch hier um die Vogelgrippe handelt.

Entwarnung in der Türkei

Türkische Behörden gaben für das Dorf Kiziksa im asiatischen Teil des Landes unterdessen Entwarnung. Der Geflügelbestand von rund 8.500 Tieren sei vernichtet worden, nachdem dort das auch für den Menschen gefährliche Virus H5N1 nachgewiesen worden war. Schutzmaßnahmen wie Infektionsbäder für Fahrzeuge würden aber noch mindestens zwei Wochen aufrechterhalten.

Die 25 Mitgliedsländer der EU sollen beim Bemühen, Zuchtgeflügel nicht mit Zugvögeln in Berührung kommen zu lassen, relativ viel Entscheidungsspielraum erhalten, sagte der Kommissionssprecher. Zwar werde es gemeinsame Kriterien für die Definition von "Gefahrengebieten" geben, in denen Maßnahmen zur Verhinderung einer möglichen Virus-Übertragung ergriffen werden müssten. Die einzelnen Regierungen müssten jedoch selbst entscheiden, welche Rastgebiete der Zugvögel unter diese Kriterien fielen.

Je nach Lage sei es auch ausreichend, beispielsweise freilaufendes Geflügel durch Netze vor einfliegenden Zugvögeln zu schützen. In anderen Fällen genüge es wohl, die Fütterung in geschlossene Räume zu verlegen. Die EU-Kommission hat bereits ein Importverbot für Geflügel und Geflügelprodukte aus Rumänien und der Türkei erlassen.

WHO:"Kampf in Asien verloren"

In Asien sieht die WHO den Kampf gegen das Vogelgrippevirus H5N1 weitgehend verloren. "Alle Versuche, sie in Südostasien auszumerzen und unter Kontrolle zu bringen, sind fehlgeschlagen", sagte der WHO-Direktor für die Region West-Pazifik, Shigeru Omi, in der philippinischen Hauptstadt Manila. "Ihre Ausbreitung ist nun gewaltig und reicht von Südostasien bis hin an die Türschwelle Europas." Man habe viel mehr Schlachten gegen die Viruskrankheit verloren als gewonnen. Die Ansteckungsgefahr für Menschen sei aber "sehr gering". (APA/AP/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.