Sieben mutmaßliche Terroristen festgenommen

5. November 2005, 12:35
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Offenbar Attentat auf Politiker und Regierungsgebäude vereitelt - Regierungsgebäude abgeriegelt - Schüsse

Den Haag - Mit der Festnahme von sieben Terror-Verdächtigen sind die niederländischen Sicherheitsbehörden am Freitag nach eigenen Angaben einem Attentat auf Politiker und Regierungsgebäude zuvorgekommen. Während des Zugriffs schwer bewaffneter Polizeieinheiten in Amsterdam, Den Haag und Almere wurde der Schutz mehrerer Regierungsgebäude erhöht. Augenzeugen berichteten von Schüssen. Ob es Verletzte gab, war zunächst nicht bekannt.

Sechs Männer und eine Frau festgenommen

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden sechs Männer im Alter zwischen 18 und 30 Jahren sowie eine 24-jährige Frau festgenommen. Sie sollen am Montag dem Haftrichter vorgeführt werden. Hauptverdächtig sei der 19-jährige Samir A., der im April von einem Gericht in Rotterdam in einem Aufsehen erregenden Urteil frei gesprochen worden war. Das Gericht zeigte sich damals zwar überzeugt davon, dass er einen Anschlag geplant habe, doch habe die Anklage dies nicht konkret genug beweisen können. Die Staatsanwaltschaft hat Berufung eingelegt, über die noch nicht entschieden worden ist.

Polizeiaktion zur Verhinderung von Attentat

Die Staatsanwaltschaft teilte unter Berufung auf den Geheimdienst mit, jetzt habe A. vorgehabt, sich Waffen und Sprengstoff zu beschaffen. "Vermutlich bereitete er mit anderen einen Anschlag auf mehrere Politiker in einem Regierungsgebäude vor", erklärte die Behörde. Die Polizeiaktion sei erfolgt, um einem solchen Attentat zuvorzukommen.

Am Donnerstag hatten Medien über neue Drohungen gegen die Abgeordneten Ayaan Hirsi Ali und Geert Wilders berichtet, die Kritiker eines radikalen Islams sind. Beide traten nach dem Mord an dem islamkritischen Filmemacher Theo van Gogh im vergangenen Jahr mehrere Monate lang nicht in der Öffentlichkeit auf. Das Büro des Koordinators der Terrorabwehr, Tjibbe Joustra, teilte am Freitag mit, bei einer Reihe von Regierungsmitgliedern seien der Personenschutz und bei einigen wichtigen Gebäuden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden.

Die Hofstad-Gruppe

Der jetzt wieder festgenommene A. gehört nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft zum Kern der so genannten Hofstad-Gruppe. Dies ist aus der Sicht der Fahnder ein terroristisches Netzwerk von etwa zwei Dutzend jungen radikalen Islamisten. Als deren Kopf gilt der bereits zu lebenslanger Haft verurteilte Mohammed Bouyeri, Mörder des Filmemachers Van Gogh. Am Freitag ließ ein Gericht eine neue Anklage gegen Bouyeri wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu. Dieser Aspekt war im Mordprozess noch ausgeklammert worden. Der Prozess gegen Mitglieder der Hofstad-Gruppe soll am 5. Dezember beginnen.

Sitzung verlief ungestört

In Den Haag wurde der Binnenhof abgeriegelt, eine Burg, in der die niederländische Regierung sitzt. Dort ist auch das Büro von Ministerpräsident Jan Peter Balkenende. Die wöchentliche Sitzung des Kabinetts verlief jedoch ungestört. Rund um den Binnenhof wurden Passanten kontrolliert und Rucksäcke durchsucht.

Die niederländische Regierung hatte davor gewarnt, dass das Land Ziel von Terroranschlägen sein könnte. Seit den Anschlägen von London am 7. Juli gilt die zweithöchste Alarmstufe. Trotz des Widerstands in der Bevölkerung hat die niederländische Mitte-Rechts-Regierung nach dem Ende der Hauptkampfhandlungen im Irak rund 1300 Soldaten in den Golfstaat entsandt. Sie sind im März nach Hause zurückgekehrt. (APA/dpa/Reuters/AP)

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    Polizisten mit kugelsicheren Westen vor dem Parlament in Den Haag

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