Delphi-Pleite bringt kaum Ausfälle für heimische Zulieferer

7. November 2005, 14:45
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Nach Einschätzung von Kreditversicherern bringt Insolvenz des weltgrößten Automobilzulieferers keine groben Zahlungsausfälle für heimische Betriebe

Eisenstadt - Die Insolvenz des weltgrößten Automobilzulieferers Delphi in den USA wird nach Einschätzung von Kreditversicherern zwar am amerikanischen Markt, nicht aber bei den österreichischen Zulieferern für grobe Zahlungsausfällen sorgen. Dank guter Frühwarnsysteme bleibe die österreichische Fahrzeug- und Zulieferindustrie weitgehend verschont, erklärte am Freitag die Prisma Kreditversicherungs-AG in einer Stellungnahme.

"Noch im Herbst 2004 hatten wir als Prisma 11 Mio. Euro Obligo. Innerhalb des letzten Jahres haben wir genau beobachtet und dann Schritt für Schritt die Deckungssumme auf 3 Mio. reduziert", so Prisma-Vorstand Bettina Selden: "Für die europäische Delphi-Gruppe bestehen zwar noch Limits mit Bauchweh - aber das ist okay. Dieses vertretbare Risiko tragen wir mit unseren Kunden mit."

Risiko managen

Kreditversichern heiße heute vor allem Risiko managen: "Natürlich zahlen wir nach wie vor, wenn ein Geschäftspartner insolvent wird, aber unsere eigentliche Arbeit ist es, die Ausfälle für die Kunden von vorneherein zu verhindern oder stark zu reduzieren", erklärte Selden: "Im Fall von Delphi konnten wir unseren Kunden Schäden im Ausmaß von acht Mio. Euro ersparen."

Die Fahrzeug- und Zulieferindustrie ist einer der wichtigsten Industriezweige in Österreich. Der Sektor wächst immer noch: Derzeit werden pro Jahr etwa 38 Mrd. Euro umgesetzt.

Massive Lohnkürzungen

Delphi kündigte im Kampf um sein Überleben zuletzt massive Lohnkürzungen an. Die Gehälter der rund 50.600 Angestellten in den USA sollten um rund 63 Prozent gesenkt werden, hatte Delphi-Chef Steve Miller am Mittwoch erklärt. Damit würden die Gehälter und Leistungen für auf Stundenbasis Beschäftigte lediglich auf das Niveau der Branche angeglichen.

Miller zeigte sich zuversichtlich, eine Einigung mit der Gewerkschaft UAW zu erzielen, die die meisten der Delphi-Beschäftigten in den USA vertritt. Bei der Österreich-Tochter Delphi Packard Austria im Südburgenland wurde betont, die Insolvenz der US-amerikanischen Mutter habe keine direkten Folgen für den Standort Großpetersdorf. (APA)

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