Raiffeisen zahlt für Aval Bank 1,028 Milliarden Dollar

15. November 2005, 19:56
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Raiffeisen International schließt nächste Woche ihren bisher größten Bankenkauf ab - Ausblick 2005: Konzernüberschuss plus 50 Prozent

Wien - Genau ein halbes Jahr nach dem Börsengang der Raiffeisen International (RI) schließt die Ostbanken-Holding der RZB kommende Woche ihren bisher größten Zukauf in Osteuropa ab. Seit heute, Freitag, ist auch der endgültige Kaufpreis für die zweitgrößte Bank der Ukraine bekannt: Raiffeisen zahlt für 93,5 Prozent der Aktien an Aval 1,028 Mrd. Dollar (858 Mio. Euro). Die Nettokosten der Bank-Akquisition beliefen sich auf 999 Mio. Dollar.

Dies hat Raiffeisen International Chef Herbert Stepic am heutigen ersten Kapitalmarkttag seiner Gesellschaft bekanntgegeben. Im Mittelpunkt des Interesses der mehr als 80 Analysten und Investoren aus aller Welt stand erwartungsgemäß die Akquisition der Bank Aval. Hier wurden auch erstmals offiziell Kaufpreisdetails der Übernahme genannt.

Nach dem Closing wird auch der verbliebene Streubesitz der Aval Bank übernommen: Raiffeisen International verpflichtete sich, die Aktien der Minderheitsaktionäre zum gleichen Preis zu übernehmen wie die Aktien der zwölf bisherigen Paketaktionäre, hauptsächlich ukrainische Unternehmer und Privatpersonen sowie einstige Manager der an der Börse von Kiew notierten Aval Bank.

Übernahmekosten enthalten

Im Kaufpreis enthalten sind auch die Kosten für die Übernahme der Aktien aus der im Februar 2005 genehmigten Kapitalerhöhung bei Aval in Höhe von 100 Mio. Dollar. Raiffeisen wird mit der Aval Bank, die 2006 mit der bestehenden Ukraine-Tochter fusioniert wird, auf einen Schlag Nummer 1 in der Ukraine.

Damit verfüge man über ein flächendeckendes Netz von 1.400 Filialen in dem Land, dessen Bankmarkt im übrigen rapide wächst: 2004 gab es im Markt ein Bilanzwachstum um 30 Prozent. Die Aval gilt auch als die bekannteste Bankenmarke im Land, die erst 1992 gegründet worden ist und heute knapp 18.000 Leute beschäftigt.

3 Millionen neue Kunden gewinnt Raiffeisen International mit dem Zukauf hinzu. Damit steigt der gesamte Kundenstock in Ost- und Südosteuropa auf 9,2 Millionen.

Im Jahr 2007 will Stepic in der Region rund 12 Mio. Kunden haben.

Ergebnisausblick 2005

Erstmals hat Stepic am heutigen Capital Markets Day auch einen Ergebnisausblick für 2005 gegeben. "Wir erwarten eine kräftige Gewinnsteigerung": Aus heutiger Sicht erwartet der Vorstand, dass der Konzernperiodenüberschuss nach Steuern und Minderheiten um rund 50 Prozent über dem Vorjahr liegt. 2004 lag der konsolidierte Konzernüberschuss bei 209,4 Mio. Euro. Die Zahlen enthalten noch nicht den Aval Kauf.

Für 2006 und 2007 wird weiter ein Bilanzsummenwachstum von jeweils 20 Prozent im Jahr angepeilt. Unverändert wird für 2007 ein Return on Equity vor Steuern von mindestens 25 Prozent, eine Cost Income Ratio von weniger als 60 Prozent erwartet. Eine Kernkapitalquote von rund 8 Prozent wird auf mittlere Sicht weiter als "ausreichend" bewertet. 2004 lag dieser Wert bei 10,1 Prozent.

Nächstes Akquisitionsziel CEC in Rumänien

Raiffeisen International (RI) hat mit der Aval Bank nun seinen mehr als eine Milliarde Dollar teuren Ukraine-Deal in der Tasche. Kurz darauf wird schon das nächste Akquisitionsziel angegangen: Bis 21. Oktober läuft in Rumänien die Annahmefrist für unverbindliche Angebote für die staatliche Sparkasse CEC. Selbst wenn damit das Geld aus dem heurigen Börsegang schon bald verbraucht ist, ist vor 2007 nicht an die Ausgabe junger Aktien gedacht.

Auch für den Fall, dass sich nach dem Aval-Kauf samt allfälligem Zuschlag für die CEC die Kapitalquote der RI in Richtung 7 Prozent bewegen würde, würde man nicht vor dem Jahr 2007 wieder an die Aktionäre herantreten, versicherten RI-Chef Herbert Stepic und Finanzvorstand Martin Grüll am heutigen Investorentag in Wien. "2006 werden wir keine Kapitalerhöhung machen", betonte Grüll. Wie berichtet halten Analysten von UBS es aber für durchaus möglich, dass RI bereits kommendes Jahr einen Kapitalschritt setzt.

Für 2007 sei es nicht ausgeschlossen, dass das Kapital erhöht wird, sagte Grüll.

In Sachen CEC

Für die rumänische Großsparkasse CEC sind bis 21. Oktober nicht verbindliche Offerte abzugeben, in denen aber bereits Angebotspreise festgeschrieben sein müssen. "Wir gehen davon aus, dass alle acht Interessenten für die erste Runde zugelassen werden", so RI-Vorstand Heinz Wiedner vor Journalisten. Eine Shortlist werde es da nicht geben.

Er gehe davon aus, dass die Interessenten Ende Oktober noch einmal eine zusätzliche Woche für eine Due-diligence-Prüfung bekommen würden, sagte Wiedner. Die endgültigen Angebote dürften wohl durchwegs höhere Preise beinhalten als die indikativen. Auch, weil bis dahin jene Interessenten einen Gang zulegen dürften, die im Rennen um die größere BCR nicht zum Zug gekommen seien. "Es wird nicht sehr billig werden."

Die CEC hat zwar im Halbjahr Verluste geschrieben, sie gilt aber auf Grund ihres starken Filialnetzes und eines Kundenstocks von 4 Millionen als interessantes Asset im Hoffnungsmarkt Rumänien.

Zweigstellen-Expansionsplan nach oben revidiert

Raiffeisen International Bank (RI) geht in Ost- und Südosteuropa in eine massive Filialexpansion. Der Zweigstellenplan wurde nach oben revidiert. Die bisherigen Tochterbanken sollen gut 300 neue Niederlassungen aufsperren. Die neu zugekaufte ukrainische Großbank Aval bringt außerdem auf einen Schlag weitere 1.400 Zweigstellen dazu.

Mit dem Kauf der ukrainischen Aval Bank steigt die Zahl der Kunden der RI-Tochterbanken in Osteuropa von rund 6 auf 9,2 Millionen. Die Zahl der Zweigstellen legt mit der Aval-Akquisition von aktuell 991 im bisherigen Netzwerk auf zusammen 2.400 zu. Der Mitarbeiterstand im Raiffeisenbanken-Ostnetzwerk wächst mit dem Kauf in der Ukraine von 25.362 auf 42.000.

In den bisher bereits betriebenen Banktöchtern in 15 Ländern der Region werden von heuer bis 2007 insgesamt rund 340 neue Standorte dazukommen, berichteten RI-Chef Herbert Stepic und sein fürs Retailgschäft zuständiger Vorstandskollege Aris Bogdaneris heute, Freitag, beim Kapitalmarkttag der Raiffeisen International.

Aggressiv im Markt ausbreiten

Besonders aggressiv im Markt ausbreiten will man sich in Bulgarien, Ungarn, Russland, Serbien, Polen und Weißrußland.

Im Riesenmarkt Russland sind nach Angaben von Stepic bis 2007 rund 50 zusätzliche Filialen geplant. Zur Zeit sind es 23. In Weißrussland soll die Filialzahl von jetzt 42 auf 71 angehoben werden.

In Ungarn will man in zwei Jahren bei 128 Zweigstellen sein, das wären 47 mehr als jetzt.

In Polen sollen 30 neue Outlets dazukommen, womit die Zahl dort auf 100 steigt.

In Serbien-Montenegro soll die Filialzahl von 34 auf 91 fast verdreifacht werden, in Bulgarien von 60 auf 110 anwachsen. Im Kosovo sind bis dahin 30 Zweigstellen das Ziel (derzeit 23), in Albanien 84. In der Slowakei liegt der Plan bei 120 (derzeit 113).

In Tschechien will Raiffeisen in zwei Jahren 52 Filialen haben, also die Zahl leicht steigern, in Slowenien wird man bei 15 halten, in Kroatien bei 50 (derzeit 36), in Bosnien-Herzegowina 70 (jetzt 67).

In Rumänien soll die dortige Tochter organisch ihr Filialnetz von rund 200 auf 220 Stellen erweitern - dort will Raiffeisen zur Zeit allerdings vor allem mit einem großen Bankenzukauf punkten und damit ein fertiges Filialnetz einkaufen. (APA)

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