48 Stunden in Neu Delhi

20. Mai 2005, 09:03
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Sich zwei Tage in einer der großen Städte Indiens aufzuhalten, ist eine Herausforderung - bei allem, was diese an Lärm, Menschen und anderen Eindrücken zu bieten haben. Aber: Hinein ins Vergnügen in Delhi.

Knapp ist es sich ausgegangen. Auf ein frenetisches Hupen hin springen wir zur Seite, versuchen dabei, die nachmonsunschen Pfützen zu vermeiden und nicht in den nächsten Obststand zu kippen, da zischt schon die Rikscha vorbei. Mopeds, Auto-und Fahrradrikschas, Fahrräder, Lastengefährte und tausende Fußgänger drängen sich im Chadni Chowk, wo wir am


Tag Eins

gleich hin gehen, um Indiens Hauptstadt zuerst zu spüren und zu riechen. In den gewundenen Gassen dieses Bazarviertels in Old Delhi unweit des Roten Forts und des Jama Masjid, der größten Moschee des Landes, reiht sich Miniaturladen an Miniaturladen. Es duftet nach Blumengirlanden und frischem Joghurt, nach den klebrigen Süßigkeiten und den aus Öl herausgebackenen Teigtaschen. In die Verkehrsgeräusche und das Gerede der Passanten mischt sich häufig der Ruf des Muezzin oder Glockengeläute aus einem der kleinen Hindutempel. Stunden kann man seine Sinne frontal mit indischem Leben konfrontieren, nur eines empfiehlt sich nicht: vor sich hin zu träumen und die stärkeren Verkehrsteilnehmer zu missachten. Irgendwann tut sich am Ende eines Gässchens ein Platz auf, und wir stehen vor der Jama Masjid, die wie das Rote Fort, aber auch das Taj Mahal in Agra, auf das Konto des Mogulenherrschers Shah Jahan aus dem 17. Jahrhundert geht. Wer nach dem Besuch dieser Bauten noch über Energie verfügt, sollte mit der Rikscha gleich weiter zum Raj Ghat fahren, der Verbrennungsstätte von Mahatma Gandhi, des "Vaters der Nation". Am Abend lässt sich am Connaught Place ein indisches Essen in einem der zahlreichen Restaurants - traditionellen oder zeitgenössischen mit Fastfood-Touch wie das "Café 100" - mit einem Kinobesuch verbinden. Sie können nicht Hindi? Macht nichts, lassen Sie sich einfach von Bildern und Musik mitreißen, die meisten Geschichten erklären sich ohnedies von selbst. Um die wichtigsten Bauten zu sehen, sollte man unbedingt am


Tag Zwei

eine organisierte Tour machen oder sich per Taxi und Rikscha fortbewegen - die Distanzen sind gewaltig zwischen dem Regierungsviertel, wo am Rajpath zum Nationalfeiertag die große Parade mit Elefanten stattfindet, dem Humayun-Grab, einem Höhepunkt mogulischer Architektur, und den Qutab Minar, Symbol für die Jahrhunderte lange muslimische Herrschaft über Nordindien, auf die dann die britisch-koloniale folgte, bevor das Land 1947 unabhängig wurde. Zum Ausspannen bietet sich gegen Abend ein Spaziergang in den Lodi-Gärten an. Diverse Monumente und vor allem sind mit der neuen Fitnesswelle die Gärten zum beliebten Schnellgeher- und Joggerzentrum der Bewohner geworden.

Die letzten Schritte von Mahatma Gandhi sind im Garten des Birla-Hauses in Neu Delhi nachgezeichnet. Der "Vater der Nation" war auf dem Weg zum Gebet, als ihn die tödlichen Schüsse eines Hindu trafen. In Gandhis Wohnraum in der öffentlich zugänglichen Birla-Villa sind seine Habseligkeiten zu sehen, so wie er sie an jenem 30. Januar 1948 hinterließ.

Von Brigitte Voykowitsch
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