HP will in Frankreich 35 Stunden-Woche neu aushandeln

7. November 2005, 13:34
2 Postings

Jobrettung durch Aus für 35-Stunden-Woche Frankreich-Chef: Modell ist Wettbewerbsnachteil

Paris - Der amerikanische Computerkonzern Hewlett-Packard (HP), in Frankreich wegen seiner Kündigungspläne von einem Viertel der Belegschaft unter Druck, beweist einen bemerkenswerten Einfallsreichtum. Um den Gewerkschaft und Politik geforderten Abbau von 1240 Stellen reduzieren zu können, hat der französische HP-Geschäftsführer Patrick Starck vorgeschlagen, das nationale Abkommen zur Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden neu auszuhandeln.

Die 1999 mit den Sozialpartnern geschlossene Vereinbarung sei ein "Wettbewerbsnachteil", kritisierte er. "Durch die Neuverhandlung dieses Abkommens wären wir sogar im Stande, neue Posten zu schaffen", so Stark.

Argument eines Teppichhändlers

Die Antwort der Gewerkschaft kam postwendend. CFE-CGC-Funktionär Didier Pasquini bezeichnete den Vorschlag als "Argument eines Teppichhändlers": "Wenn HP die Direktion in den USA glauben ließ, dass die französischen Kader nur 35 Stunden die Woche arbeiten, dann hat sie sich eine Kugel in den Fuß geschossen". Pasquini erinnerte daran, dass HP in Frankreich mit 1,7 Mio. Euro im Jahr einen der höchsten Umsätze pro Angestelltem im europäischen Vergleich verwirkliche.

Noch Ende September hatte Francesco Serafini, Geschäftsführer von HP in Europa, nach Gesprächen mit der Regierung gesagt, dass der Postenabbau in Frankreich nach unten revidiert werden könnte.

Spurensuche

Auch Gewerkschafter hatten Anfang Oktober nach Gesprächen mit der französischen HP-Geschäftsführung "Spuren für eine Lösung des Konflikts" erkennen lassen. Freilich hatte Starck zu diesem Zeitpunkt seine "Arbeitszeitverlängerungsidee" noch nicht geäußert.

Da nicht anzunehmen ist, dass Starck mit seinem Vorschlag die unter dem sozialistischen Premier Lionel Jospin (1997 - 2002) eingeführte 35-Stunde-Woche zu Fall bringen wird, werden sich alle Beteiligten erneut auf Lösungssuche begeben müssen. (Karin Tschenke/APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.10.2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Im Oktober wurde in Paris gegen HP-Pläne, Jobs abzubauen, heftig protestiert.

Share if you care.