Europas Banken wollen Basel II 2007 umsetzen

15. November 2005, 19:56
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Nach Einschätzung der Vereinigung Europäischer Genossenschaftsbanken wird die Eigenkapitalrichtlinie in Europa pünktlich umgesetzt - In den USA gibt es eine Verschiebung um ein Jahr

Brüssel - Die Umsetzung der Eigenkapitalrichtlinie für Banken und Finanzdienstleister, besser bekannt unter dem Namen Basel II, wird nach Einschätzung der Vereinigung der Europäischen Genossenschaftsbanken zum anvisierten Starttermin im Jänner 2007 beginnen. "Wir sind vorbereitet, um das zu implementieren", sagte der Generalsekretär der Organisation, Hervé Guider, zum STANDARD.

Grünes Licht zu Wochenanfang

Die EU-Finanzminister haben Anfang dieser Woche endgültig grünes Licht für Basel II gegeben. Basel II sieht eine genauere Bewertung der Risiken bei Krediten vor. Damit können Kredite mit einer hohen Ausfallwahrscheinlichkeit teurer werden. Andererseits werden Mittelstands-und Hypothekarkredite deutlich niedriger gewichtet. Der Verband, der rund 60.000 Bankstellen - in Österreich die Raiffeisenbanken und Volksbanken - vertritt, sieht dies als Erfolg für Klein- und Mittelstandsbetriebe wie in Österreich. Ein Problem könne insbesondere für kleinere Banken werden, dass viel Bürokratie mit Basel II verbunden ist. "Es hängt jetzt viel davon ab, wie das auf Aufsichtsseite gehandhabt wird", meint Guider.

USA erst 2008

Die USA haben dagegen vor Kurzem bekannt gegeben, dass sie Basel II frühestens 2008 einführen wollen. Nach Einschätzung des Bankenverbandes sei dies aber nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. Ein Grund für die Verschiebung sei, dass die Banken und Aufseher in den USA noch nicht so gut wie die europäischen auf den Umstellungsprozess vorbereitet seien.

Kritisch sieht der Verband das Vorhaben, dass Banken verpflichtet werden sollen, im Zuge der in der Anti-Geldwäsche-Richtlinie vorgesehenen Antiterrormaßnahmen "politisch exponierte Personen" genauer unter die Lupe zu nehmen. "Wir sind bereit, beim Antiterrorkampf mitzuhelfen. Aber wie soll man das genau feststellen? Wenn man aber jemanden fragen muss, ob eine ihm nahe stehende Person ein politisches Amt ausübt, dann kann das sehr indiskret sein", sagte Guider.

Skepsis bei bargeldlosem Zahlen

Skeptisch steht man auch den Bemühungen auf europäischer Ebene gegenüber, bargeldloses Bezahlen über Landesgrenzen in der ganzen EU bis 2010 zu ermöglichen. Dies will die EU-Kommission verwirklicht sehen, auch die Europäische Zentralbank (EZB) ist für dieses Vorhaben. Man sollte sich erst einmal darauf konzentrieren, dass man das im Euroraum hinbekomme. "Die EZB ist sich der Schwierigkeiten bewusst, vor allem im Bereich Infrastruktur", meint Guider. Dass dieses Vorhaben dazu beitrage, Bankfusionen zu erleichtern, wie dies vor Kurzem das österreichische EZB-Mitglied Gertrude Tumpel-Gugerell, gemeint hat, glaubt Guider nicht: "Das ist allein kein ausreichender Impuls für die Konsolidierung des Bankensektors." (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.10.2005)

Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand
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    Ein Runder Tisch 2002 in Sachen 'Basel II' - heute geht die Vereinigung der Europäischen Genossenschaftsbanken davon aus, zum anvisierten Starttermin im Jänner 2007 starten zu können.

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