ABN Amro landet nun doch in Italien

15. November 2005, 19:56
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Nach jahrzehntelanger Abschottung beginnt sich der italienische Bankenmarkt zu öffnen - Erster Anflug von Marktöffnung

Nach jahrzehntelanger Abschottung beginnt sich der italienische Bankenmarkt zu öffnen. Die niederländische Finanzgruppe ABN Amro hat grünes Licht für die Übernahme der nordostitalienischen Bank Antonveneta erhalten. Zuvor hatte die Börsenaufsicht Consob das Übernahmeangebot der Banca Popolare Italiana (BPI) abgelehnt. Grund dafür: Absprachen des Bieters mit seinen Partnern, Verdacht auf Kursmanipulation, falsche Unternehmensmitteilung, intransparente Finanzierungspraktiken.

Der Weg ist frei

Damit ist für die Niederländer der Weg frei, ihre Beteiligung von 29 Prozent an der Antonveneta ganz aufzustocken. Im Gegenzug werden die Niederländer laut Bankkreisen ihre Beteiligung bei der römischen Großbank Banca Capitalia abgeben. Ihr Offert für Antonveneta hatten sie bereits im Frühjahr gemacht: Es wurde jedoch von Zentralbankchef Antonio Fazio gebremst. Er wollte jeglichen ausländischen Einfluss verhindern und steht im Verdacht, im Bietergefecht das italienische BPI-Anbot vorgezogen zu haben. Auch aus diesem Grunde musste sich Fazio zu Wochenbeginn vor den Richtern in Rom rechtfertigen. Er steht nun im Verdacht des Amtsmissbrauchs.

Matte Verteidigung

Seine Verteidigungsrede soll angeblich nicht nur die römische Staatsanwaltschaft, sondern auch die Europäische Zentralbank EZB in Frankfurt wenig überzeugt haben. Laut gut unterrichteten EZB-Kreisen werde derzeit ein Bericht vorbereitet, der Fazio vorwirft, sich im Bietergefecht nicht neutral und wenig transparent verhalten zu haben. Der auf Lebzeiten ernannte Zentralbankchef klammert sich trotz allem an seinen Stuhl. Noch ist es niemandem gelungen, ihn zum Rücktritt zu bewegen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.10.2005)

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    Italiens Notenbankchef Antonio Fazio kann das Ausland nicht fernhalten.

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