Vernachlässigte Ost-Touristen

7. November 2005, 14:27
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World Winter Forum: Österreich lässt Marktchancen brach liegen und ist interkulturell nicht vorbereitet

Wien - "Österreichs Wertschätzung gegenüber WinterTouristen aus Osteuropa muss steigen." Das forderte Georg Kapus, Regionalmanager für Zentraleuropa in der Österreich-Werbung in Budapest, am Donnerstag im Rahmen des "World Winter Forum" in Wien. Laut Kapus geht es um einen riesigen Markt, den die Gastgeber in Österreich sträflich vernachlässigen: "Es geht hier immerhin um vier Millionen Nächtigungen im Jahr."

Von der Infrastruktur her seien Hotellerie und Wintersportorte "bestens gerüstet" für den Touristen-Ansturm vor allem aus den neuen EU-Ländern Ungarn, Polen, Tschechien, Slowenien und der Slowakei. Zu erwarten seien künftig auch mehr Touristen aus Bulgarien, Russland und Rumänien. "Aber", sagte Kapus, "interkulturell ist Österreich auf sie nicht vorbereitet."

Kleinigkeiten

Das fange schon bei Kleinigkeiten an: "Jeder freut sich, wenn er zu Gast in der Slowakei oder Tschechien ist, über deutschsprachige Speisekarten. Umgekehrt gibt es so ein Service praktisch nirgendwo in Österreich." Seine Vision: "Warum drucke ich als Hotelier nicht einfach eine Speisekarte auf Slowakisch oder Tschechisch aus und gebe sie den Gästen gemeinsam mit dem Zimmerschlüssel? Kleiner Service - große Wirkung."

Weiters sei es ein verbreiteter Usus, "eher polnische Reisegruppen zu versetzen als deutsche oder amerikanische", wenn die Belegungssituation eng werde. Positive Beispiele gebe es aber auch: In der Steiermark mit den Skiregionen Murau und Dachstein sowie in Kärnten habe man bereits den "neuen" Touristen Rechnung getragen. Der Touristiker: "In Kärnten sorgen nach den Deutschen bereits die Ungarn für die höchsten Nächtigungszahlen. Und zwar noch vor den Italienern."

Chance statt Gefahr

Dass in Osteuropa - etwa in Bulgarien, Rumänien oder Russland - eigene neue Skigebiete entstehen, sieht der Tourismusexperte nicht als Gefahr für Österreich, sondern als Chance: "Das Interesse am Wintersport wird geweckt. Und künftig wird die Reiselust steigen." Da könne Österreich mit seinem "legendären Mythos" als Wintersportland Nummer eins voll punkten. "Die Sehnsucht, ein neues Skigebiet zu sehen, wird wachsen. Diese Sehnsüchte müssen wir wecken. Denn Urlaub ist nichts anderes als ein Handel mit Träumen." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.10.2005, APA)

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