Gedämpfte Aussichten

7. November 2005, 14:20
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Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone fällt nach Einschätzung der EU und von Experten wegen des hohen Ölpreises heuer nur gering aus

München/Brüssel – Das reale Bruttoinlandsprodukt werde im dritten Quartal 2005 um 0,4 Prozent und im Schlussquartal um 0,3 Prozent zulegen, erklärten das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo), die französische Statistikbehörde INSEE und das italienische Institut ISAE am Donnerstag in ihrer gemeinsamen Prognose. Im kommenden Jahr werde sich die Expansion des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im ersten Quartal mit plus 0,4 Prozent fortsetzen.

Schwäche der Binnennachfrage

Insgesamt dürfte das BIP 2005 im Vergleich zum Vorjahr um 1,3 Prozent steigen. "Die Schwäche der Binnennachfrage wirkt weiterhin dämpfend auf die realwirtschaftliche Entwicklung", erklärten die Institute. Die Signale von Unternehmens- und Verbraucherbefragungen, die zuletzt positiv waren, müssten sich erst noch bestätigen.

Mäßige Aussichten

Auch die EU-Kommission kommt zu dem Schluss, dass die Wachstumsaussichten für die Eurozone nur mäßig sind. Das zeigen die am Donnerstag veröffentlichten Schätzungen der EU-Statistikbehörde Eurostat für die beiden letzten Quartale dieses Jahres. Für das dritte Quartal erwartet man eine Wachstumsspanne für das BIP der zwölf Euro-Länder von 0,2 bis 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Im Schlussquartal kann das BIP zwischen 0,4 und 0,8 Prozent zulegen.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hat angesichts der hohen Ölpreise in ihrem Monatsbericht ihre Warnun 2. Spalte gen vor Inflationsgefahren erneuert. "Im Hinblick auf die Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität ist große Wachsamkeit geboten", bekräftigte die EZB. Die EZB signalisierte mit veränderter Wortwahl wachsende Besorgnis: Im September hatte sie in ihrer zentralen Aussage nur von "besonderer" Wachsamkeit hinsichtlich der Inflationsrisiken gesprochen.

Schwache Konsumnachfrage

Der Grund für die düsteren Einschätzungen liegt vor allem in der anhaltend schwachen Konsumnachfrage in Europas größter Volkswirtschaft Deutschland. Die Wirtschaft in der Euro-Zone hatte im zweiten Quartal um 0,3 Prozent zum Vorquartal zugelegt. Im Vergleich zum zweiten Quartal 2004 ist dies ein Plus um 1,1 Prozent. In Österreich betrug die Steigerung im zweiten Quartal gegenüber dem ersten laut Eurostat 0,4 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresquartal liegt die Zunahme bei 1,8 Prozent. (Alexandra Föderl-Schmid/APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.10.2005)

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