Stilverweigerung

27. Oktober 2005, 15:42
6 Postings

Der breiteste Trend ist und bleibt der Mainstream

Viele fühlen sich vom Zwang zur individuellen Gestaltung überfordert, sie haben keine Zeit, keine Lust oder zu wenig Geld, um ihr Mobiliar in Ruhe zusammenzusuchen. Für sie halten die vielen Möbelhäuser abgestimmte Programme bereit, die vom Landhausstil bis zur Pseudoavantgarde reichen. In den täglich ins Haus flatternden Werbebeilagen werden solche Möbel gern als "Designersofa", "Designerleuchte" bezeichnet. Viele Jüngere richten sich heute spießiger ein als ihre eigenen Eltern.

Die Hamburger Werbeagentur Jung von Matt hat in ihren Räumen "Deutschlands häufigstes Wohnzimmer" nachgebaut, um die "Lebenswelt und Konsumvorlieben unserer Zielgruppen tagtäglich hautnah spüren zu können." Polstergarnitur, Schrankwand, Veloursteppich, Raufasertapete, Beistelltisch, selbst Alpenveilchen, CD-Turm und cremefarbene Lichtschalter wurden sorgsam arrangiert. Hier konferieren die Werber, wenn sie neue Kampagnen aushecken.

Pro: Zu wohnen wie alle fällt nicht weiter auf. Viele Möbel und Gerätschaften sind bequemer und funktionaler, als man auf den ersten Blick erwartet. Der Preis ist dank hoher Stückzahlen meist sehr erschwinglich.
Contra: Nur dem, der Wohnen als Last empfindet, kann man die Einrichtung von der Stange bedingungslos empfehlen. Alternativen müssen allerdings keineswegs teurer sein, sind aber in den meisten Fällen doch origineller.
(Thomas Edelmann/Der Standard/rondo/14/10/2005)

  • "Deutschlands häufigstes Wohnzimmer", nachgebaut von der Werbeagentur Jund von Matt.
    foto: jung von matt

    "Deutschlands häufigstes Wohnzimmer", nachgebaut von der Werbeagentur Jund von Matt.

Share if you care.