Dekorativer Schick

27. Oktober 2005, 15:42
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Kein Trend ohne Gegenspieler

Das Tabu des Tattoos gilt nicht mehr. Seit Adolf Loos um 1900 über das Verhältnis von "Ornament und Verbrechen" polemisierte, galten dekorative Oberflächen und Strukturen immer wieder als unfein, heute sind sie wieder angesagt. Heutzutage geht es dabei nicht mehr um die Imitation höfischen Lebensstils, mit dem das aufkommende Bürgertum einst seinen wirtschaftlichen Erfolg zelebrierte. Es geht vielmehr um die Gegenreaktion auf die Coolness puristischer Konzepte, aber auch um Freude am Dekor selbst.

Das Hamburger Trendbüro verweist gar auf einen Zusammenhang zwischen Wirtschaftskrise und dem Verlangen nach einer Ausstrahlung von Sicherheit und Gefühl, wie es das Dekor bietet. Neue Materialien und Techniken, mit denen sich große und kleine Muster auf nahezu jedem Trägermaterial aufbringen lassen, fördern den Trend. Große Muster brauchen viel Platz um zu wirken. In kleinen Räumen wirken sie lachhaft.

Pro: Wer keine geraden Linien mehr sehen kann, erfreut sich am neuen Lebensmuster.
Contra: Es besteht Gefahr, sich an Dekoren rasch satt zu sehen.
(Thomas Edelmann/Der Standard/rondo/14/10/2005)

  • Hochdekorierte, zeitgenössische Entwürfe, gemixt mit einem Schreibtisch-Entwurf Carlo Mollinos aus den 40ern.
    foto: zanotta/

    Hochdekorierte, zeitgenössische Entwürfe, gemixt mit einem Schreibtisch-Entwurf Carlo Mollinos aus den 40ern.

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