WKÖ befürchtet Belastungen durch EU-Kreditrichtlinie

15. November 2005, 19:56
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Fremdwährungskredit könnte bei genauerer Information des Kunden vom Markt verschwinden - Lohndumping-Befürchtungen bei Dienstleistungsrichtlinie "unbegründet"

Brüssel - Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) befürchtet bei der geplanten EU-Verbraucherkreditrichtlinie übermäßige Belastungen für Banken und Kunden. Der in Österreich bisher beliebte, aber mit hohen Risiken für den Kunden verbundene Fremdwährungskredit könnte vom Markt verschwinden, wenn die Kreditnehmer ausführlicher über Vor- und Nachteile des Kredites informiert werden müssten, hieß es dazu am Donnerstag in einer Pressekonferenz in Brüssel.

Die Informationspflicht für die Banken sei in der derzeitigen Richtlinienvorlage "unverhältnismäßig hoch" und würde nur die Kosten für Kredite in die Höhe treiben, sagte die für das Bankwesen zuständige WKÖ-Expertin Susanne Sagmeister. Die WKÖ begrüßt, dass gegenüber dem ersten Richtlinienvorschlag der Kommission die Banken nicht mehr selbst den besten Kredit für den Kunden aussuchen müssten, sondern dieser nach ausführlicher Information selbst entscheiden kann.

Unbegründete Angst vor Lohndumping

Die Befürchtungen eines Lohndumpings und Qualitätsabfalls durch das im EU-Parlament heftig diskutierte Herkunftslandprinzip in der geplanten Dienstleistungsrichtlinie hält die WKÖ für "unbegründet". Diesen Ängsten werde in der derzeit diskutierten Fassung dadurch Rechnung getragen, dass die Überprüfung der fachlichen Qualifikationen vom Herkunftslandprinzip ausgenommen wurde und bei den Löhnen die Kollektivverträge im Zielland eingehalten werden müssen, sagte Edda Knittel von der WKÖ Brüssel. Nach Ansicht der Wirtschaftskammer ist ein großer Vorteil des Herkunftslandprinzips der Wegfall von bürokratischen Hürden für ausländische Firmen, etwa die Bindung bestimmter Tätigkeiten an die Staatsbürgerschaft.

Bei der Reform der EU-Regionalförderung begrüßt die WKÖ den Vorschlag im Positionspapier der Kommission, das maximale Förderungsgefälle zwischen zwei Nachbarregionen auf 20 Prozent zu senken. Die Wirtschaftskammer befürchtet nämlich Betriebsverlegungen in osteuropäischen Nachbarstaaten, wenn das Fördervolumen in einer Region Österreichs viel niedriger ist als in der angrenzenden Region des Nachbarlandes. Die Möglichkeit, die österreichischen Regionalförderungen an die Förderungen in den angrenzenden Regionen der Nachbarländer anzupassen, ist nach Ansicht des WKÖ wichtig, um Wettbewerbsnachteile für die Grenzgebiete zu vermeiden. (APA)

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    Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) befürchtet bei der geplanten EU-Verbraucherkreditrichtlinie übermäßige Belastungen für Banken und Kunden.

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