In Kürze: "Die Macht des Staunens"

13. Oktober 2005, 00:34
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Puppentheaterfestival im Schauspielhaus "im Umkreis von Allerseelen" mit "mexikanischem Totentag"

Wien - Produktionen aus Österreich, Portugal, Großbritannien, Deutschland und Ungarn/Italien zeigt das Internationale Puppentheaterfestival für Erwachsene "Die Macht des Staunens" von 28.10. bis 5.11. im Wiener Schauspielhaus. "Da das Beleben toter Materie ja Thema des Festivals ist, freuen wir uns besonders, dass es heuer zufällig im Umkreis von Allerseelen liegt", meinte Ko-Leiterin Martina Winkel bei einem Pressegespräch am Mittwoch und kündigte unter anderem "einen mexikanischen Totentag" an.

Im Zentrum des Festivals steht heuer erstmals eine Personale. Der in Italien lebende ungarische "Spezialist der Einfachheit" Gyula Molnar, dem Publikum von früheren Auftritten bekannt, ist mit vier Stücken zu Gast. Als Spieler präsentiert er, passend zum diesjährigen Themenschwerpunkt, "3 kleine Selbstmorde" lebensmüder Alltagsgegenstände - ein "Klassiker des Objektthaters", so Winkel, der als Doppelvorstellung (3. und 4.11.) mit dem Stück "Yeti" gezeigt wird, in dem Molnar seine Frau Francesca Bettini als Extrembergsteigerin inszeniert.

"Ein Puppenaufstand"

Bettini wiederum hat bei "Nachtwandler" (5.11.) Regie geführt, einer Beziehungsgeschichte mit Molnar und der renommierten deutschen Puppenspielerin Annette Scheibler. Und das deutsche Duo Tristan Vogt und Joachim Torbahn ist mit der Molnar-Inszenierung "Macbeth - Ein Puppenaufstand" zu Gast, in der sich verstoßene Kasperlfiguren an eine Shakespeare-Einstudierung wagen.

Mit der Beckett-Adaption "Nado ou o Silencio de Beckett" (28. und 30.10.) des Teatro de marionetas aus Porto steht eine - freilich fast sprachlose - weitere literarische Arbeit auf dem Programm. Und der britische Puppenspieler Stephen Mottram, der schon einmal mit einem Stück über Schöpfungsfragen zu Gast war, taucht diesmal zu Klängen der eigens konstruierten Straßenorgel "Organillo" (31.10.) in die fruchtbaren Sphären der Urgewässer ein.

Kleine Altäre als Installationen

Als traditionelle Eigenproduktion des Festival-Produzenten Theater ohne Grenzen wird am 1. November in der Schauspielhaus-Schneiderei "El dia de los Muertos" begangen: Wie am mexikanischen Allerseelentag werden da kleine Altäre aufgebaut, die in den folgenden Tagen als Installationen besichtigt werden können, Geschichten erzählt und Mitbringsel verzehrt. Zuvor, am 29. und 30. 10., präsentiert in der Schneiderei Anne Bennent in einer Lesung "Fremde Doppelgänger" von Kleist und Hoffmann bis zu modernen Cyborgs.

Insgesamt ist das Programm des biennalen Festivals in seiner siebenten Auflage aus finanziellen Gründen etwas ausgedünnt. Erstmals gibt es keine Bundes-Subvention mehr, das Budget ist von 60.000 Euro in früheren Jahren auf rund 40.000 Euro geschrumpft, sagt Airan Berg, Ko-Festivalleiter und Ko-Direktor des Schauspielhauses, das nunmehr zum zweiten Mal Schauplatz und erstmals auch Kooperationspartner ist. Bei den Preisen habe man trotzdem versucht "moderat" zu bleiben. Es gibt Rabatte für den Kauf mehrerer Vorstellungen, außerdem ist man Partner der Sozial-Aktion "Hunger auf Kunst und Kultur". (APA)

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    foto: schauspielhaus
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