Autozulieferer sehen sich unter Druck

7. November 2005, 14:45
2 Postings

Eybl-Chef erwartet weitere Konzentration, Magna-Boss beklagt "Sandwich"-Position

Wien - "Der Konzentrationsprozess in der Zulieferindustrie geht unvermindert weiter", sagte der Vorstandssprecher von Eybl International, Johannes Elsner, am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Wien. 1992 habe es europaweit 30.000 Zulieferbetriebe gegeben, jetzt seien es nur mehr 5000. In den kommenden drei Jahren werde sich auch diese Zahl mehr als halbieren, so Elsner.

Im Zusammenhang mit der Branchenkonsolidierung denke er nicht an Firmenzukäufe sondern an den Kauf von Orderbüchern, betonte der Vorstand des Herstellers von Teilen für den automobilen Innenraum. In den letzten Jahren seien vom eine Milliarde Euro schweren europäischen Zuliefermarkt ein Auftragsvolumen von 300 Millionen Euro insolvent geworden.

Kampf zwischen Autoherstellern und Systemlieferanten

Ein weiteres Konfliktfeld in der Branche sei der Kampf zwischen den OEMs (Original Equipment Manufacturers, also den Autoherstellern) und Systemlieferanten. "Wenn man die Zulieferer mit der Wurst in einem Sandwich vergleicht, ist diese mittlerweile so dünn geworden, dass man sie nicht mehr sehen oder schmecken, sondern höchstens noch riechen kann", sagte auch Magna-International-Spitzenmanager Siegfried Wolf jetzt bei einem Vortrag vor dem Österreichischen Verein für Kraftfahrzeugtechnik in Wien.

Hauptgrund dafür sei der enorme Preisdruck, der von den OEMs ausgehe. "Wenn man glaubt, binnen drei Jahren Preisreduktionen von 20 Prozent bekommen zu können, verstehe ich das Geschäft nicht mehr", sagte Wolf. José Ignacio Lopez, ein Anfang der 90er-Jahre in der Zulieferindustrie berüchtigter Chefeinkäufer bei GM und VW, "hat heute viele Nachfolger gefunden, die die Einsparungen nicht mehr im eigenen Haus, sondern nur bei den Zulieferern suchen. Das ist langfristig aber fatal, weil man der eigenen Lieferantenbasis die Kraft zu Innovation nimmt".

Argumentationshilfe bekämen die OEMs von laut Wolf inhaltlich falschen Beraterstudien, die für Zulieferer höhere Renditen auswiesen als für die großen Autohersteller selbst. Magna International ist mit 83.000 Mitarbeitern der weltweit drittgrößte Zulieferbetrieb. Delphi, die Nummer zwei, steht seit der Vorwoche unter US-Gläubigerschutz. (APA, red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.10.2005)

Share if you care.