Wintertourismus setzt auf Qualität

7. November 2005, 14:27
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Tourismusbranche verabschiedet sich vom "Streben nach Nächtigungsrekorden"

Sölden - "Das Rekordniveau des letzten Winters bei den Nächtigungen halten und bei der Wertschöpfung noch ein wenig zulegen", formuliert Arthur Oberascher, Geschäftsführer der Österreich Werbung (ÖW), die Ziele der Tourismusbranche für den Winter 2005/06. Zuletzt waren bei 59,2 Millionen Nächtigungen 9,78 Mrd. Euro eingenommen worden.

Der Auftakt der Wintersaison hat heuer nicht in Wien, sondern auf 2993 Meter Seehöhe am Söldener Rettenbachferner stattgefunden. Exakt bei der Mittelstation der Schwarze-Schneid-Bahn, wo vor fünf Wochen bei einem Seilbahnunglück neun Menschen ums Leben gekommen waren.

Die Bilder vom Unglück zu verdrängen war wohl ein unausgesprochenes Ziel bei der Wahl des Ortes für das Saison-Opening. Herbstliches Bilderbuchwetter und idealwinterliche Schneebedingungen unterstützten am Mittwoch dieses Anliegen. In zehn Tagen startet am gleichen Hang der alpine Skiweltcup.

Selbstkritik

Selbstkritisch gegenüber der Branche und der früheren Arbeit der ÖW will Oberascher künftig nur noch auf Qualität setzen: "Im Zweifel haben wir uns in der Vergangenheit für die Vielfalt entschieden."

Darunter hätte die Marke gelitten, der Kunde blieb mit seinen Interessen oft auf der Strecke, erklärt Oberascher. Josef Margreiter, Chef der Tirolwerbung, unterstreicht die Notwendigkeit dieser Strategie: "Der Wintersportmarkt wächst nicht mehr", im globalen Maßstab müsse sogar mit Rückgängen gerechnet werden.

"Kampf gegen die Mittelmäßigkeit"

Um im Verdrängungswettbewerb zu bestehen, helfe nur "der Kampf gegen die Mittelmäßigkeit". Margreiter kündigte auch ein "Ende des Strebens nach neuen Nächtigungsrekorden" an, Qualität und verbesserte Wertschöpfung seien das Ziel. In diesem Sinne will die ÖW Best-Practice-Beispiele in allen Segmenten in den Vordergrund rücken. Eines davon soll dann jährlich als "Best of Winter" ausgezeichnet werden.

Für 2005 wurde mit der "schönsten und modernsten Skihütte Österreichs" der Anfang gemacht. Diese steht in Lech am Arlberg, heißt "Schneggarei" und wird von Gerold Schneider samt Familie betrieben. Jenseits von Skihütten-Klischees ist das Gebäude eine Antwort an die anhaltende Kritik an der Tourismusarchitektur.

Für die Seilbahnwirtschaft verweist Sektionsobmann Ingo Karl auf Investitionen von 512 Mio. Euro im Jahr 2005, die Hälfte davon für die Erneuerung von Bahnen und Erhöhung des Komforts, 144 Mio. in Beschneiungsanlagen. 50 Prozent aller österreichischen Pisten können bereits als schneesicher bezeichnet werden, betont Karl. (hs, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.10.2005)

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