"Wallace & Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen": Schädling, gib den Löffel ab!

14. Oktober 2005, 01:59
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Erstmals abendfüllend: "Wallace & Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen"

Wien - An Jägern hatte das Kino in den letzten Jahren keinen Mangel. Diverse Superhelden machten diverse Superbösewichte dingfest, und selbst die Gebrüder Grimm sind gegenwärtig weniger als Gelehrte denn als zupackende Geisterjäger aktiv. Wallace & Gromit, der Welt sympathischstes Knetmassenduo, fügt diesem Gewerbe nun ein neues Zielobjekt hinzu: Kaninchen. Anti-Pesto heißt ihre Firma, die verspricht, die Gemüsegärten der Nachbarschaft vor belöffelten Schädlingen zu bewahren.

In Wallace & Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen gehen der käsesüchtige Junggeselle und sein stoisch-schwermütiger Hund ihren Aufgaben erstmals in abendfüllender Länge nach. Der Brite Nick Park hatte die beiden Figuren noch als Student kreiert: Ihre erste Mission führte sie in A Grand Day Out (1989) zu einem Mond aus Cheddar, danach folgten The Wrong Trousers (1993) and A Close Shave (1995), die die beiden bereits weltberühmt machten.

Nach Chicken Run haben Park und die Aardman Animations erneut mit dem DreamWorks-Studio kooperiert. Fünf Jahre arbeitete man daran, das von den Kurzfilmen vertraute kleinbürgerliche Vorstadtmilieu ebenso beizubehalten wie die schöne Tradition, das Abenteuer in einen genrehaften Rahmen zu stellen. Wie der Originaltitel The Curse of the Were-Rabbit bereits nahe legt, handelt es sich dabei um das Horrorfach, um Universal-Klassiker wie The Werewolf of London oder auch Frankenstein.

Ganz nach Vorbild entspringt das Dilemma so auch dem Versuch, in die Natur einzugreifen. Wallace erprobt sich bei Mondlicht als Mad Scientist, der mit einer neuen Erfindung die eingefangenen Kaninchen von ihrer Fixierung auf Gemüse befreien will. Er schafft natürlich ein Monster, ein wahres Ungetüm von einem Karnickel, das den anstehenden Wettbewerb der Gemeinde um das eindrucksvollste Gemüseexemplar durch seine Fresssucht dramatisch gefährdet.

Neue Figuren

Nur so viel sei vom weiteren Handlungsverlauf verraten: Wie schon in den Kurzfilmen fällt dem sprachlosen, aber durch seine Mimik umso beredteren Gromit die Aufgabe zu, seinen Herren vor dem Schlimmsten zu bewahren. Nick Park und Co-Regisseur Steve Box haben ihr Starduo, erneut mit viel Augenmerk auf Ausstattung und visuelle Gags, diesmal in einem umfassenderen Milieu platziert. Dazu gehören auch neue Figuren wie die nicht nur frisurentechnisch gelungene Gräfin Tottington, die Wallace erstmals zu Liebeswerben veranlasst - und damit den hochnäsigen Lord Victor zu seinem härtesten Widersacher macht.

Neben der schrulligen Charakterzeichnung - zu deren Höhepunkten nicht zuletzt der King-Kong-ähnliche Nager gehört - stellt Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen vor allem in seinen aktionistischen Einlagen einen weiteren Schritt nach vorne dar. Ob in einer unterirdischen Verfolgungsjagd durch Gemüsebeete oder in einem Rennen mit Ringelspielwagen an Fassaden entlang: 2,8 Tonnen Plastilin erweisen sich hier digitalen Techniken mindestens als ebenbürtig.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.10.2005)

Von
Dominik Kamalzadeh

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  • Ein monströser Nager und sein Jäger - Nick Parks "Wallace & Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen".
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    Ein monströser Nager und sein Jäger - Nick Parks "Wallace & Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen".

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