Kampf um VP-Absolute - Kandidaten für Publikumswahl als Ansichtssache

4. November 2005, 16:36
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Rote und Schwarz bringen ihre Kandidaten für die Wahl des ORF-Publikumsrates Ende November in Stellung

Es geht um eine schwarze Mehrheit bei der Generalswahl 2006. Der Betriebsratschef hat schon Bedingungen dafür.

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Der nächste ORF-General wird zwar erst im Sommer 2006 gewählt. Doch eines weiß der bürgerliche Zentralbetriebsratschef Heinz Fiedler auf STANDARD-Anfrage schon heute: Generalsanwärter, die den ORF aus seinem sanierungsbedürftigen Zentrum auf dem Küniglberg absiedeln wollen, sind für ihn nicht wählbar. Die könnten nämlich "keine hohe Identifikation mit dem Unternehmen haben", meint der mächtige Betriebsratschef. Generalin Monika Lindner habe sich schon zum ORF-Zentrum bekannt. Personalvertreter spielen bei Generalswahlen im Stiftungsrat oft Zünglein an der Waage.

ORF absiedeln

"Einfache Welt", belächelt Pius Strobl Fiedlers Sicht. Im Gegenteil, sagt der ORF-Stiftungsrat der Grünen: Eine "vernünftige, wirtschaftliche Lösung" der Standortfrage sei ob angespannter Lage des ORF bei der Generalswahl entscheidend. Andernfalls seien höhere Gebühren (wie sie Lindner für 2007 in Aussicht stellte) vor deren Zahlern nicht zu rechtfertigen. Ebenso wenig gelockerte Werberegeln für die Anstalt auf Kosten der Privaten, wie sie demnächst ein Initiativantrag der Regierungsparteien bescheren soll. Der ORF drängt: Noch fehlen ihm ein paar Millionen im Budget für 2006.

Die grüne Einmannfraktion will wie berichtet den Abzug vom Küniglberg: eine gute Gelegenheit, den ORF zu verkleinern. Das kann einem bürgerlichen Betriebsratschef schwerlich behagen, der zudem seine Wahl roten Technikbetriebsräten verdankt. Was Strobl auf dem Küniglberg zu viel Raum, ist Fiedler Platz etwa für weiter ausgebaute Betreuung der Kinder von ORF-Mitarbeitern.

So debattierten die Stiftungsräte Mittwoch über das marode ORF-Zentrum, dessen Sanierung an die 50 Millionen Euro kosten soll. Sie segneten 3,25 Millionen Euro für die übrigen 50 Prozent am Spartensender TW1 ab. Und stritten über ORF-Chefredakteur Walter Seledec, der ein FP-Inserat unterzeichnet hat.

Es war die vorletzte Sitzung des ORF-Stiftungsrates in heutiger Besetzung. In der nächsten sucht die ÖVP eine absolute Mehrheit für die Generalswahl. Mit entscheidend dafür wird die Wahl zum Publikumsrat. Der stellt sechs Mitglieder des Stiftungsrates, der 2006 wieder einen ORF-Generaldirektor wählt.

Mittwoch nominierten Organisationen aus dem Umfeld von Schwarz und Rot ihre Kandidaten für den Publikumsrat, die Gebührenzahler und -befreite Ende November per Fax wählen dürfen.

Rot gegen Schwarz

Schauspieler Erwin Steinhauer tritt gegen Schönbrunndirektor Helmut Pechlaner an, Ressort: Bildung. Gegen Barbara Blaha, VSStÖ und künftige ÖH-Vorsitzende, schickt die VP die ehemalige Skijuniorenweltmeisterin Kathrin Zettel ins Rennen, zudem Dagmar Breschar von der Naturschutzjugend. Schauspieler Fritz Muliar buhlt um Senioren gegen den ehemaligen ORF-Manager Kurt Bergmann (VP). Um Familie bemühen sich Promiarzt Siegfried Meryn (SP) und Bundesbäuerinnenvertreterin Aloisia Fischer (VP). Steffi Graf läuft gegen Exradler Franz Stocher, AK-Mann Harald Glatz nun gegen Rotkreuzchef Fredy Mayer und den ebenfalls bürgerlichen Gerhard Heilingbrunner (Umweltdachverband).

Ende November mobilisieren wieder die Parteisekretariate, um bei der Wahl ihre Kandidaten durchzubringen. 2001 gelang das auf der ganzen Linie der SPÖ. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 13.10.2005)

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