Koubek droht totaler Absturz

9. Dezember 2005, 10:32
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Kärntner könnte bis Ende des Jahres auf Platz 250 zurückfallen - Bresnik: "Unvorbereitet kann man keine Prüfungen bestehen"

Wien - Das Jahr 2005 wird Stefan Koubek als das wohl schwierigste in seiner Karriere in Erinnerung bleiben. Das Ausscheiden in der ersten Runde der BA-CA-Trophy in Wien nach einer 6:4,4:0-Führung am Dienstagabend war da nur die Spitze des Eisberges. Der 28-jährige Kärntner wird bis zum Jahresende im Entry-Ranking wohl noch weit absacken, die derzeitige Position (102) nicht zu halten sein. Im Extremfall droht ein Absturz auf eine Position um 250.

"Sicher auch Pech gehabt"

Günter Bresnik coacht den Blondschopf nun schon seit elf Jahren, und trotz dieser Situation sieht der Wiener seinen Schützling nicht wirklich in einer Krise. "Er muss gut spielen, viel arbeiten und aus. Stefan hat heuer sicher auch Pech gehabt", meinte Bresnik am Mittwoch. "Er hat sechs Monate kein Match gespielt. Da ist die Chance einfach gering, dass er einen Herbst wie im Vorjahr wiederholen kann." Viel zitiert sind die dreimonatige Doping-Sperre, die Lungenentzündung, die Knieoperation - Faktoren, die nicht wegzuleugnen sind.

Im Vorjahr hatte Koubek nach dem Achtelfinal-Aus in Wien gegen David Nalbandian beim Masters-Series-Turnier in Madrid die dritte Runde erreicht, stand danach im Semifinale von Basel und auch beim Challenger auf Mauritius holte er einen Semifinalplatz. Von Wien bis Mauritius machte das 265 Punkte, ein Gros dieser Weltranglistenzähler wird der ehemalige Weltranglisten-20. (13.3.2000) bis Ende 2005 verlieren.

Gezielter Aufbau von Nöten

Bresnik ist überzeugt, dass Koubek wieder zurück kommen wird, aber es bedarf eines gezielten Aufbaus. "Derzeit ist es, wie wenn er sich für 30 Uni-Prüfungen angemeldet hätte, aber nicht einmal in ein Buch hineingeschaut hätte", sagt der frühere Daviscup-Kapitän und Coach von Boris Becker. "Er weiß jetzt selbst, worum es bei ihm geht. Seine Schläge sind nicht automatisiert. Und er ist auch körperlich nicht dort, wo er hingehört. Der Geist ist müde, wenn der Körper nicht mitspielt."

Daher schmettert der Trainer auch Forderungen nach einer zusätzlichen Mentalbetreuung ab. "Der Stefan hat das schon mit vielen Leuten probiert, aber seine Körpersprache war genauso, als er noch in den ersten 20 war!" Und bei einem Jürgen Melzer, der zuletzt fünf Mal in Folge gleich zum Auftakt verloren hat, stelle niemand diese Fragen. Weil Melzer seit zwei Jahren eine eigene Mentalbetreuerin hat.

Bresnik empfahl Koubek, das Turnier in der kommenden Woche auszulassen, sprich nicht Qualifikation für Madrid zu spielen. "Er soll sich zehn Tage gut vorbereiten und dann die Basel-Qualifikation spielen." Der Weg zurück auf Challenger-Niveau wird Koubek allerdings nicht erspart bleiben. Je nach körperlichem Zustand ist auch ein Südamerika-Trip im November nicht auszuschließen. "Dieser Weg fällt ihm sehr schwer. Aber er wird ihn gehen. Ich hoffe, dass er ihn schnell gehen kann. Je schneller, umso besser."(APA)

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    Koubek muss wieder ins Challenger-Geschehen.

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