Wallström präsentiert konkrete Vorschläge für EU-Demokratiereform

Redaktion, 14. Oktober 2005 15:53

Schwedische EU-Kommissarin für Schaffung eines "europäischen öffentlichen Raums" - Regelmäßige Debatten in nationalen Parlamenten

Stockholm - Die schwedische EU-Kommissarin und Vize-Präsidentin der EU-Kommission Margot Wallström will am Donnerstag in Brüssel Vorschläge für eine effektivere, offenere und demokratischere Union vorlegen. In der Mittwoch-Ausgabe der Stockholmer Tageszeitung "Dagens Nyheter" fasste sie ihre Reformvorschläge vorab zusammen.

Plan D

Den nationalen Parlamenten der EU-Mitgliedsstaaten hat die Kommission eine zentrale Rolle in der Demokratie-Entwicklung der EU zugedacht. Unter anderem sollten nach Wallströms Vorschlägen ("Plan D") alle sechs Monate die Zielsetzungen der jeweils nächsten EU-Präsidentschaft in den einzelnen Parlamenten debattiert werden.

Außerdem befürwortet die EU-Kommissarin die Schaffung eines "europäischen öffentlichen Raums", in dem Politiker, Volksorganisationen und Bürger gemeinsam über die Grenzen hinweg diskutieren könnten. Dazu kann sich Wallström "traditionelle breite Kanäle" wie das Fernsehen, aber auch die Schaffung neuer europäischer Medien und die Nutzung des Internet vorstellen.

Arbeitsgruppe

Geplant ist laut Wallström auch die Schaffung einer Arbeitsgruppe aus EU-Kommission, EU-Rat und Europaparlament, die sich um die Ausnützung neuer Techniken zur Erhöhung der Wahlbeteiligung in Europa kümmern soll. "Nicht zuletzt bei der Wahl zum EU-Parlament", so die für das Ressort Kommunikation zuständige Kommissarin.

Wallström will ihre Vorschläge von und in den einzelnen Mitgliedstaaten umgesetzt wissen: "Demokratie und Dialog können nie von oben durchgedrückt werden (...) Es sind die Mitgliedsländer, die Bürger und die Zivilgesellschaft denen die Hauptrolle in Plan D zukommt". Gleichzeitig mahnte die Vize-Präsidentin der EU-Kommission zur Eile: "Wir haben nicht unbegrenzt Zeit. Die Welt verändert sich immer schneller und derjenige der stillsteht, bleibt zurück. Wir brauchen eine handlungsfähige EU". (APA)

europa fassen
14.10.2005 15:34
Neue EU-Verfassung muss in den Völkern entstehen

Ich bin mir sicher, die europäischen Völker würden einer guten Verfassung auch zustimmen. Die vorgelegte Verfassung war aber ein Mix aus guten (ca 80%) und schlechten, dubiosen Teilen.
Ich schlage vor, die Verfassung in Kapiteln einzuteilen und jedes Kapitel einzeln abzustimmen. Da wird schon was rauskommen.

Der bisherige Vorschlag war halt postdemokratisch und neoliberal und das haben die Franzosen und Holländer auch bemerkt (vielen Dank).
Was soll zB. die Anmerkung (-> EU-Broschüre), dass bei 95% der Gesetze das EU-Parlament zustimmen muss ??? Demokratisch ist es nur mit einer 100%ige Zuständigkeit des Parlamentes.
Wieso sind alle wirtschaftlichen Belange schon ferstgelegt, wogegen alle sozialen Belange nur als "Ziel" bezeichnet sind ?

proteus
13.10.2005 22:01

Mehr Demokratie bedeutet gemeinhin mehr Mitbestimmungsrechte für die Bürger, dies kommt aber in Plan D nicht vor. Ein bisserl diskutieren dürfen die Untertanen halt, nicht mehr.

Entlarvend, dass die EU-Kommission mehr EU-Propaganda mit mehr Demokratie gleichsetzt.

pepitant
13.10.2005 20:34
Das Grundproblem aller Erklärungsversuche ist m. E.

dass nicht die EU oder der US-Kongress oder sonst irgendeine politische Organisation die Macht hält, sondern WTO und Weltbank.
Demokratie ist längst passe, auch wenn das bisher weder Regierungen noch NGOs zugeben wollen; wider besseren Wissens.
Politiker sind zu Handlagern der Finanzoligarchie degradiert worden, damit hat der Wähler keinerlei demokratische Kontrolle mehr.
Mir ist allerdings nicht ganz einsichtig, wozu wir unsere Aufsichtsräte und Topmanager mit astronomischen Gagen füttern, wenn Sie doch nicht willens und mächtig sind, gegen die sich verbreitende Armut aufzutreten ? Ausgebeutet, um nicht zu sagen ausgeraubt, werden wir so oder so.
Und bist du nicht willig....

Emerald
13.10.2005 13:06
Wallström ...

... ist doch die Kommissarin, die die EU "verkaufen" soll (sozusagen die Selbst-Marketing-Kommissarin) und die uns vor den Verfassungs-Abstimmungsdebakeln permanent mit salbungsvollen Reden gequält hat. Und nach einer kleinen Atempause gehts jetzt offenbar wieder weiter.

Eine "Demokratisierung der EU" kann es nur geben, wenn diese wieder auf eine Freihandelszone rückgeführt wird und sämtliche Souveränitätsrechte wieder an die Mitgliedstaaten rückübertragen werden. Alles andere ist verlogen.

Jan Sommer
12.10.2005 19:07
Kann Sie gleich vor der eigene Tür kehren und


damit anfangen dagegen zu stimmen, wenn ihre Kollegen in der Kommisssion ungeniert Gesetzesvorschläge einbringen, welche ausdrücklich gegen die Europäische Menschenrechtskonvention verstossen.
js

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