EU will private Investitionen in Forschung ankurbeln

7. November 2005, 14:18
posten

Angesichts steigender Konkurrenz aus China und Indien drängen Verheugen und Potocnik auf Erleichterungen für Betriebe - EU sei derzeit "weit vom eigenen Ziel entfernt"

Brüssel - Angesichts steigender Konkurrenz aus China und Indien drängt die EU-Kommission auf europaweite Maßnahmen zur Förderung von Investitionen der Privatwirtschaft in Innovation und Forschung. EU-Industriekommissar Günter Verheugen und sein für Forschung zuständiger Kollege Janez Potocnik stellten am Mittwoch in Brüssel einen entsprechenden Aktionsplan vor. "Wir müssen mehr und besser investieren", sagte Potocnik.

Wirtschaftliches Umfeld zu wenig attraktiv

"Wir sind nach wie vor weit von dem Ziel entfernt, dass bis zum Jahr 2010 drei Prozent des BIP in die Forschung investiert werden sollen, und die Investitionen Europas stagnieren", beklagte der EU-Forschungskommissar. Zwei Drittel der Forschungsausgaben sollten nach dem ursprünglichen Plan der EU vom privaten Sektor aufgebracht werden. "Genau dort liegt das Problem", sagte Potocnik. Denn für die meisten Unternehmen sei das wirtschaftliche Umfeld zu wenig attraktiv, um in innovative Forschungsbereiche zu investieren.

Verheugen nannte das Beispiel der MP3-Musiktechnologie, die Ende der 80er-Jahre vom deutschen Frauenhofer-Institut entwickelt worden ist. Der populäre Musikplayer iPod werde aber von einem US-Konzern (Apple) vermarktet. "Europa war nicht in der Lage, das Potenzial dieser Erfindung zu erkennen", kritisierte Verheugen.

19 Maßnahmen

Konkret schlägt die Kommission 19 Maßnahmen zur Förderung der Innovation und Forschung vor. Dazu zählen eine bessere und umfassendere Nutzung von steuerlichen Anreizen, bessere Rechtssetzung für neue Technologien, mehr Spielraum bei staatlichen Beihilfen für Forschung und Innovation, einen besseren Schutz des geistigen Eigentums, eine bessere Nutzung der EU-Strukturfonds für Forschung und Entwicklung sowie einen leichteren Zugang zu Finanzmitteln für Klein- und Mittelbetriebe. Beschlossen werden müssen die Maßnahmen von den EU-Staaten, die über bestimmte Maßnahmen, wie etwa das EU-Gemeinschaftspatent, seit Jahren streiten.

Rückstand Europas nicht verringert

Nach Angaben der EU-Kommission hat sich die Rückstand Europas gegenüber den USA und Japan bei Innovationen in den vergangenen drei Jahren nicht verringert. Auch 2005 sei das Wachstum in diesem Bereich "nahe der Stagnation". Die letzte offizielle EU-Forschungsstatistik von 2003 weist einen durchschnittlichen Anteil von 1,93 Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Forschung und Entwicklung auf, während er in den USA 2,59 Prozent und in Japan 3,15 Prozent beträgt.

"Ebenso beunruhigend" ist nach Angaben der EU-Kommission die Tatsache, dass die Forschungsausgaben in China zwischen 1997 und 2002 um zehn Prozent pro Jahr gestiegen sind. Sollte dieser Trend anhalten, werde China 2010 ebenso viel wie Europa in de Forschung investieren - nämlich rund 2,2 Prozent. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Auch wenn das Interesse an der langen nach der Forschung (Bild) beachtlich war - die Forschungsausgaben sind es laut EU-Kommission noch lange nicht.

Share if you care.