"a_schau", die 3. Etappe

12. Oktober 2005, 14:41
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Architekturzentrum Wien komplettiert Dauerausstellung zur österreichischen Architektur ab 1958

Wien - Mit der am Mittwochabend (19 Uhr) stattfindenden Eröffnung der dritten Etappe der "a_schau" ist die Dauerausstellung des Architekturzentrum Wien (Az W) zur österreichischen Architektur der vergangenen 150 Jahre komplett. Als "Ende eines langen Weges und Beginn einer neuen Zeit" bezeichnete Az W-Leiter Dietmar Steiner bei einer Pressekonferenz das "historische Datum", das ähnlich wichtig für seine Institution sei wie die Eröffnung und Wiedereröffnung des Hauses.

Mit der Dauerausstellung folge man einem internationalen Trend und nehme "die Bildungsverantwortung, die das Architekturzentrum für sich in Anspruch nimmt", ernst, so Steiner. Mit dem Achleitner-Archiv verfüge man über einen einzigartigen Fundus, ohne den man diese Ausstellung nicht hätte machen können.

Bogen in das Heute

Im Frühjahr 2003 begannen die Kuratorinnen Monika Platzer und Gabriele Kaiser mit dem Projekt. Die erste Ausstellungsetappe widmete sich ab März 2004 den Protagonisten der frühen Moderne, die zweite ergänzte seit September 2004 den Zeitraum von 1918-1955. Die dritte und abschließende Etappe führt nun den Bogen in das Heute weiter und soll speziell im Gegenwarts-Teil, in dem von einem an die österreichische Bergwelt erinnernden Sitzmöbel rasch wechselnde Bilder von 100 Bauten (Kaiser: "Was Ihnen viel erscheinen mag, stellt sich für uns als radikale Selektion dar!") auf Fernsehschirmen zu betrachten sind, flexibel gehalten werden.

"Je näher man in die Gegenwart kommt, desto schwieriger war es, zu selektieren, weil einem der Abstand fehlt", erläuterte Platzer, die betonte, das Gezeigte sei "keine Universalgeschichte der österreichischen Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts, sondern eine subjektive Geschichte." "Wir wollten ein Schaufenster öffnen, das sich nicht festlegt", so Kaiser, "Es wäre anmaßend zu sagen, man zieht ein Resümee alles bisher Gewesenen."

Manifeste und Exporte

Der neu eingefügte Ausstellungsteil beginnt im Jahr 1958, dem Jahr, in dem Roland Rainer Stadtplaner wurde, eine Reihe von Architektur-Manifesten erschien und sich die junge Republik mit einem Pavillon von Karl Schwanzer (dem späteren "20er Haus") selbstbewusst auf der Weltausstellung in Brüssel präsentierte. Auch diesmal hat man die Schau, die nun auf 300 Quadratmetern rund 170 ArchitektInnen mit 420 Bauten präsentiert, thematisch strukturiert.

Im Kapitel "International" sind u.a. der von Hannes Lintl für die WIG-Gartenschau 1964 errichtete Donauturm und Roland Rainers Böhler-Haus zu sehen, "System" zeigt u.a. eine Auswahl der erstaunlich progressiven Sakralbauten der sechziger Jahre, "Utopie" macht mit den visionären Konzepten der einstigen "jungen Wilden" wie Hollein, Haus-Rucker-Co und Coop Himmelb(l)au bekannt. "Collage" zeigt die Vielfalt von heimischen Architekturströmungen ab den siebziger Jahren, die als Grazer Schule, Vorarlberger Architektur-Wunder bekannt wurden und präsentiert mit Günther Domenigs Steinhaus eine der Ikonen der österreichischen Baukunst, ehe man sich zum Chill-Out sitzend mit der "Gegenwart" beschäftigen kann. Eine Wandleiste umrahmt die Ausstellung mit internationalen "Meilensteinen", dazu gibt es eine Galerie der wesentlichen Köpfe zur österreichischen Architektur. (APA)

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azw.at
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Schlüsselbau: Karl Schwanzers Pavillon der Weltausstellung in Brüssel von 1958

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