US-Museen müssen sich gegen aggressive Darwin-Gegner wehren

9. Juli 2007, 13:43
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54 Prozent der US-Bevölkerung glauben, dass Darwin Unrecht hat - Handbuch für Konfron­tation mit Kreationisten - Mit Download

New York - Sie glauben, dass die Erde etwa sechstausend Jahre alt ist und die ersten Menschen Seite an Seite mit Tyrannosaurus Rex einherschritten. Die Kreationisten haben eine ganz eigene Sicht auf die Entstehung der Welt. In Europa mögen sie belächelt werden, doch in den USA sind sie so sehr im Kommen, dass sich Naturkundemuseen schon von ihnen bedroht fühlen.

Kreationisten in der Mehrheit?

Der Paläontologe Prof. Warren D. Allmon, Direktor des Museum of the Earth im Staat New York, sieht sich zunehmend unter Druck. Erschreckend für Allmon ist vor allem, dass die Kreationisten landesweit auf dem Vormarsch sind. Nach einer Umfrage des Instituts Gallup sind mittlerweile 54 Prozent der Amerikaner davon überzeugt, dass sich der Mensch nicht aus anderen Arten entwickelt hat. Diese Mehrheit glaubt, dass Charles Darwin (1809-1882) schlicht Unrecht hatte. Und das, obwohl etwa die katholische Kirche die Evolutionstheorie durchaus anerkennt: Sie sieht im biblischen Schöpfungsbericht nur ein literarisches Bild dafür, dass das Universum auf Gott zurückgeht.

"Die meisten Amerikaner wissen über solche Dinge einfach nichts", sagt Allmon. "Und wenn sie dann von Kreationisten gefragt werden: 'Wollen Sie, dass unsere Schulen nur die Evolutionstheorie lehren oder sind Sie für eine größere Auswahl?', dann entscheiden sich die meisten für die "größere Auswahl". Das ist ihnen als Verbrauchern ein Begriff." Das aggressive Vorgehen der Kreationisten habe inzwischen dazu geführt, dass die meisten Biologielehrer die Evolutionstheorie gar nicht mehr ansprächen - um Ärger zu vermeiden.

Handbuch für Kreationisten-Konfrontation

Allmon hat ein Handbuch veröffentlicht, das Wissenschafter und Museumsmitarbeiter auf Auseinandersetzungen mit den Darwin-Gegnern vorbereiten soll. Denn es kommt zunehmend vor, dass die Kreationisten gezielt Museen aufsuchen, um dort etwa dagegen zu wettern, dass das Alter eines Dinosaurierskeletts mit mehreren Millionen Jahren angegeben wird.

Das im Internet abrufbare Handbuch liefert Antworten auf Fragen wie "Ist die Evolution wirklich nur 'eine Theorie'?" oder "Stimmt es, dass es viele Beweise gegen die Evolution gibt?" Die Antwort hierauf: "Nein. Kein ernst zu nehmender Biologe oder Geologe zweifelt heute noch daran, dass die Evolution eine Tatsache ist." (APA/dpa/Red)

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