Wissen ist besser als glauben

7. November 2005, 13:34
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Business Intelligence soll Daten zu Information machen – intelligente Software verspricht in Zeiten, wo das Geschäft wie am Schnürchen laufen soll, den Überblick

Wien - Das heimische Arbeitsmarktservice gewinnt mit intelligenter Software Überblick über Förderungen, Ausbildungsprogramme und Kunden, der Krankenanstaltenverbund setzt sie als Instrument zur Geldsteuerung und -zuweisung ein, die AUA plant und kontrolliert damit Vertriebsaktivitäten und Gewürzhersteller Kotanyi verfügt täglich auf Kopfdruck über genau die Daten, die zur täglichen Arbeit notwendig sind. Die Kundenliste, die Cognos-Österreich-Chef Dieter Klinka aufzählt, ist beeindruckend und umfasst unter anderem noch die ÖBB, Swarowski, Raiffeisen International, Generali, Finanz- und Wirtschaftsministerium. Was die Kunden gemein haben ist, dass sie aus Daten Information herausholen wollen. Business Intelligence ist der Fachausdruck für die entsprechenden Software-Lösungen in der IT-Branche.

Blühende Zukunft

Dieter Klinka und Ad Voogt von Cognos International progostizieren sich selbst eine blühende Zukunft. Kein Wunder, sehen die Marktforscher von Gartner doch das Marktwachstum für Business Intelligence Lösungen bei 8 Prozent. "Wir werden doppelt so stark wachsen wie der Markt", so Cognos-Europa-Mann Voogt. Nach Security komme auf der Dringlichkeitsliste der Unternehmen Business-Intelligence bemühen Klinka und Voogt noch einmal die Marktforscher. Tatsächlich sei die intelligente Datenverwertung heute nicht mehr ausschließlich Thema von Großunternehmen, sondern hätte durchaus auch seinen berechtigten Platz in einem 20-Mann Unternehmen sind Klinka und Voogt unisono überzeugt.

Wissen was gebraucht wird

Versicherungskonzerne erstellen damit "Profile" ihrer Kunden, um ihnen Produkte anbieten zu können, die diese zu unterschiedlichen Lebenszyklen auch brauchen, Mobilfunker klopfen nach dem harten Kampf um jeden einzelnen Mobiltelefonierer ihre Kunden nach Lukrativität ab. Produzierende Unternehmen wiederum nehmen ihre Produktpalette genauer unter die Lupe. Der Bedarf nach Analyse und Information wird gerade in Zeiten, wo Unternehmen Prozesse verschlanken wollen oder müssen und ihr Angebot effizient organisieren, bei allen Betrieben größer, kleinere nicht ausgenommen. In letzter Konsequenz gehe es immer darum, Abläufe zu verbessern und kontrollieren, die Produkte anzubieten, die gekauft werden und das mit Hilfe intelligenter Software, schwärmen die Anbieter.

Treibende Argumente

Mit der erforderlichen Transparenz im Zusammenhang mit Basel II, den neuen Kreditvergaberichtlinien für Banken hat die Softwareindustrie nach dem Themenmangel nach Y2K und Euroumstellung nun auch wieder geschäftstreibende Argumente an der Hand. Software-Anbieter aus unterschiedlichen Lagern bearbeiten demnach auch den BI-Markt. International tätige wie Cognos, SAS Instituts, Business Objects, Oracle, Hyperion und MicroStrategy verfügen derzeit über eine breite Produktpalette, die tatsächlich mehr und mehr auch für den Mittelstand leistbar wird. Ganz billig ist das kluge Werkzeug allerdings nicht. Cognos bietet etwa mit seinem neuen Cognos 8 eine webbasierte, und damit in die eigene Software-Umgebung integrierbare Lösung, deren Einstieg mit 800 Euro Lizenzgebühr pro Client zu Buche schlägt. Für komplexere Lösungen sind 3000 bis 4000 Euro pro Nutzer und mehr zu veranschlagen.

Vielbestelltes Feld

IT-Riesen wie Microsoft, IBM und SAP tummeln sich ebenfalls auf dem Markt. Nischenanbieter widmen sich speziellen Lösungen, die sich nur der Unternehmens-Kunden-Beziehung (CRM), der Automatisierung der Lieferkette (SCM), der Ressourcenplanung (ERP) oder der Datenaushebung (Data Warehouse) widmen. Teilaspekte, die für viele kleine Unternehmen ausreichen dürften. Die kleine Firma, die ohnehin nur ein ERP-System hat, hat damit vermutlich eine Datenbasis, bei der man schnell die relevanten Kennzahlen im Blick hat. Bei größeren Unternehmen, die meist verschiedene Systeme einsetzen, herrscht größere Intransparenz. Hier gibt es eher Grund, in das Thema BI zu investieren. Das meist benutzte Werkzeug für Datenanalyse ist nach wie vor ohnehin weiterhin die Office-Anwendung Excel, die nahezu in jedem Unternehmen im Einsatz ist.

Aller Anfang ist schwer

Branchenkenner warnen vor allzu großen Erwartungen beim Einstieg. Der könnte laut Dieter Klinka so aussehen:" Ein Unternehmen will 6 Prozent mehr Umsatz". Dann kommt es in Sachen Kostenaufwand darauf an, wo es beim Kunden anzusetzen gilt. Die Voraussetzung für den effektiven Einsatz eines BI-Tools ist nämlich die adäquate Aufbereitung der vorhandenen Daten - da sind die Voraussetzungen durchaus unterschiedlich. Statt nur Software zu implementieren ist daher oft noch für ein gutes Stück Consulting zu investieren. "Wir gewinnen unsere Kunden gewissermaßen auf ewig", freut sich Dieter Klinka. (rb)

Wissen: Business Intelligence beinhaltet Informationssysteme, die konzernweit Daten für Reporting, Planung und Konsolidierung für das Management zur Verfügung stellen. Anwender haben damit Zugriff auf unterschiedliche Datenquellen wie Mainframe-, Datenbank- und Content-Systeme. Während die Grundlage der Unternehmenssoftware "harte Fakten" auf der Basis konkreter Zahlen, Forecasts und Planungen sind, besteht der Business Intelligence-Prozess aus "weichen Faktoren", wie Kunden-Verhaltensdaten und ihrer Analyse, Reports und Strategieleitfäden. Unternehmenssoftware dient grob gesprochen der Vereinfachung, Verbesserung und Beschleunigung unternehmensinterner Abläufe und Business Intelligence leitet aus vorhandenen Geschäftsdaten eine Zukunftsstrategie ab und dient der Überprüfung definierter Ziele.

Cognos Der kanadische Softwareanbieter ist weltweit tätig. Von Wien aus bearbeitet Cognos den osteuropäischen Markt. Die Softwareprodukte werden mit Partnern zusammen, die über Lizenzen berechtigt sind, Cognos-Produkte zu vertreiben, oder an Großkunden direkt vertrieben.

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    Aus Daten Informationen machen ist das Ziel von Business Intelligence Lösungen.

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