Kein Geld für konfessionelle Musikschulen

2. November 2005, 21:31
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Evangelische Johann Sebastian Bach-Schule und jüdische Jehuda Halevi-Musikschule kämpfen um ihre Existenz

Subventionsansuchen wurden vom Wiener Stadtschulrat abgelehnt, niemand fühlt sich zuständig. Die Schulen sprechen von Ungleichbehandlung.

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Wien – "Die konfessionellen Musikschulen leisten einen wichtigen Beitrag für die Musikstadt Wien", ärgert sich der evangelische Oberkirchenrat Michael Bünker. "Dieser untragbare Zustand muss beendet und die Schulen auf ein verlässliches Fundament gestellt werden."

Die jüdische Jehuda Halevi-Schule und die Johann Sebastian Bach-Schule des evangelischen Schulwerks drängen seit mehreren Jahren auf einen Ersatz ihrer Lehrerkosten. Erste Subventionsansuchen wurden vom Wiener Stadtschulrat abgelehnt. Im August beziehungsweise Oktober 2004 wurden Berufungen beim Bildungsministerium eingelegt, die trotz der gesetzlichen Frist von sechs Monaten unbeantwortet blieben. Auch ein im Juli dieses Jahres gemeinsam verfasster Brief an Ministerin Elisabeth Gehrer (VP) zeitigte bisher keine Reaktion.

"Formaljuristisch einwandfrei"

Als "formaljuristisch einwandfrei" bezeichnet hingegen Wolfgang Stelzmüller, Sektionschef im Bildungsministerium, die Ablehnung des Subventionsansuchens durch den Wiener Stadtschulrat. Weder dort noch im Ministerium fühlt man sich zuständig – und demonstriert dennoch Gesprächsbereitschaft.

Die beiden konfessionellen Privatschulen würden alle Kriterien zur finanziellen Förderung erfüllen, erläuterte Hanns Stekel, Direktor der Johann Sebastian Bach-Schule, am Dienstag. Der Antrag sei abgelehnt worden, weil es keine vergleichbare öffentliche Einrichtung gebe und deshalb die Höhe der Subventionen nicht bemessen werden könne. "Es gibt mehrere vergleichbare katholische Schulen, die von der öffentlichen Hand gefördert werden", vermutet Stekel Ungleichbehandlung.

"Talente nicht verwelken lassen"

In der seit 1999 bestehenden Halevi-Musikschule unterrichten derzeit 15 Lehrer 150 Schüler, die im Jahr 2000 gegründete Bach-Schule hat rund 400 Schüler und 39 Lehrer. Bisher konnten die Personalkosten durch Beiträge der Eltern und der Religionsgemeinschaften gedeckt werden, mit steigenden Schülerzahlen würde das Defizit aber immer weiter steigen. Avshalom Hodik, Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde, verwies auf die Integrationsfunktion für jüdische Zuwanderer aus Osteuropa und Asien und appellierte: "Lassen Sie die vielen Talente nicht verwelken!" (kri, DER STANDARD – Printausgabe, 12. Oktober 2005)

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