Die Macht weiblicher Sprache

31. Oktober 2005, 14:15
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Valie Export, Elfriede Jelinek und Olga Neuwirth im Österreichischen Kulturforum New York

Ob diese Ausstellung zu jener konzentrierten Betrachtung animiert, die für neue Einsichten in Die Macht der Sprache bürgen könnte, sei dahingestellt. Ganz gewiss aber steigert das Dreigestirn Export/ Jelinek/Neuwirth den Coolnessfaktor österreichischer Kultur im Ausland: Am Eröffnungsabend drängte viel Volk durch Raimund Abrahams knapp kalkulierte Räume, der Vortragssaal war überfüllt, das Publikum überwiegend jung - und weiblich.

Ausgestellt sind hier im Spannungsfeld von Medienkunst, Literatur und Musik nicht zuletzt weibliche Karrieren, vom Bürgerschreck zur Galionsfigur einer aufgeklärten nationalen Identität, wobei der "Turnaround" auf der heimischen Bühne bei Elfriede Jelinek wesentlich später passierte als bei Valie Export, deren provokante Körperaktionen längst zum Legendeninventar der Wiener "boring sixties" zählen. Der Skandal als Karrierehemmnis und -motor ist aber auch eine Frage der Generation: Die Komponistin Olga Neuwirth hat diesen Schritt auf dem Weg zur Bekanntheit übersprungen, vor allem dank ihrer Zusammenarbeit mit Jelinek, etwa in der Oper Bählamms Fest.

So ist die Auswahl der Künstlerinnen alles andere als beliebig. Die Kuratorin Barbara Wally (Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg) betonte neben der gegenseitigen Wertschätzung der drei deren kompromisslose politische Haltung, nicht nur in Sachen Feminismus, und das Zuhausesein in mehreren Medien. Gleichwohl scheint VALIE EXPORTs Präsenz am stärksten, nicht nur weil ihr KünstlerInnenname Programm ist und stets großgeschrieben sein will - sie war auch als Einzige bei der Vernissage persönlich anwesend und kommentierte, im Gespräch mit der Germanistin Margarete Lamb-Faffelberger, Ausschnitte aus ihren Filmarbeiten mit Leidenschaft und Humor.

Hauch der Schöpfung

Vor allem aber ist ihre Videoinstallation The Power of Language sichtbar und hörbar: Nahaufnahmen der Stimmbänder eines Mannes, der den Satz spricht: "The power of language is measured after the trace left even long after silence." Um die dauerhaften Spuren der Sprache geht es schließlich, abseits des Physiologischen, auch in Literatur und Gesang. Für Export gleicht der Laut, der sich Bahn bricht, dem ersten Atemzug, dem Hauch der Schöpfung.

Elfriede Jelinek ist nicht etwa mit Inszenierungen ihrer Stücke vertreten, sondern mit Textpassagen aus dem "Prinzessinnendrama" Der Tod und das Mädchen III (Rosamunde): der sanfte Furor eines tödlichen Dialogs, schwarz auf weiß gedruckt auf übermannshohen Bahnen, links englisch, rechts deutsch. Es gibt keinen Büchertisch, aber immerhin ein Leseexemplar von The Piano Teacher. Für den Purismus der Schrift entschädigt ein hervorragend zusammengestelltes Videomaterial, in dem auch die ein wenig stiefmütterlich behandelte Olga Neuwirth zu ihrem Recht kommt, freilich nur für den, der zum Kopfhörer greift.

Sprechen zu lernen über die eigene Arbeit und die anderer, das will Valie Export dem Kunstnachwuchs beibringen. Die Macht der Sprache hat aber nicht bloß eine ästhetische, sie hat eine politische Dimension, begreifbar auch im Paradox: "Die Macht der Ohnmächtigen ist das Schweigen", heißt es bei Export einmal. Bis 3. November. (DER STANDARD, Printausgabe 12.10.2005)

Von Daniela Strigl aus New York
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    foto: der standard
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