Fischler: Arme brauchen Chance

7. November 2005, 14:22
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Ex-EU-Kommissar kritisiert das Gewinnstreben im internationalen Agrarexport

Wien - "Das Grundrecht auf Nahrung wurde 2000 durch die Millenniumsentwicklungsziele erneut bekräftigt, wir sind daher aufgerufen, Lösungen zu finden, um alle Menschen satt zu machen", betonte Franz Fischler, Präsident der Ökosozialen Foren am Dienstag bei einer Veranstaltung zum Thema "Macht - Globalisierung - Hunger".

Die Landwirtschaft hätte Potenzial, zwölf Mrd. Menschen zu ernähren. Trotzdem müssen immer noch 14 Prozent der Weltbevölkerung hungern. Ernährungssicherheit sei nicht so sehr eine Frage des Produktionsvolumens, sondern vielmehr eine Frage des Zugangs zu Lebensmitteln. Entscheidend dafür, was in den Ländern der Dritten Welt angebaut wird, seien oft nicht die Bedürfnisse der Bevölkerung, sondern Gewinne, die im Agrarexport international erzielt werden können.

Die EU hätte ihre Agrarmärkte für die ärmsten Staaten der Welt geöffnet und leistete pro Kopf bereits doppelt so viel an Entwicklungshilfe wie die USA. Trotzdem müsse Entwicklungshilfe in Menge und Qualität verbessert werden. "Ohne fairen Agrarhandel werden die meisten armen Länder arm bleiben", strich Fischler hervor. Die Entwicklungsländer bräuchten eine faire Chance auf den Weltmärkten. Fischler: "Sie brauchen 'trade' und 'aid', um aus der Armutsfalle zu finden."

In der laufenden Doha-Runde will die WTO für Entwicklungsländer neue Chancen öffnen, am Welthandel teilzunehmen. (red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.10.2005)

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