"Nach Wellness-Hype kommt jetzt die Healthness-Welle"

7. November 2005, 14:27
24 Postings

Hoteliers sollten sich auf einen neuen Trend einstellen, sagt Karl Pojer, Herr über insgesamt 285 Hotelbetriebe unter dem Dach der TUI Hotels & Resorts

Wien - Jahrelang haben Hoteliers mit Wellnessangeboten gutes Geld verdient. Inzwischen sind Einrichtungen zum Relaxen und Wohlfühlen ein Muss für jedes Haus, das etwas auf sich hält. Und schon zeichnet sich der nächste Trend ab. "Nach dem Wellness-Hype kommt jetzt die Wealthness-Welle", sagte der Chef der TUI Hotels & Resorts, Karl Pojer, am Rande einer Veranstaltung der Telekom Austria dem STANDARD. Hoteliers seien gut beraten, sich rasch darauf einzustellen.

Der gebürtige Steirer Pojer, der nach Lehrjahren in der internationalen Businesshotellerie 1996 bei TUI angedockt hat und seit Juni 2003 das Hotelgeschäft des Touristikriesen verantwortet, spricht von einer "Gratwanderung". Bei Wealthness gehe es "um Vorbeugung von Krankheiten, um Vorsorge in Verbindung mit Wellness." Man müsse aber "höllisch aufpassen, dass das Ganze nicht zu einer Kur-veranstaltung wird. Das wäre kontraproduktiv", sagte Pojer. "Niemand will krank sein oder den Urlaub mit Kranken verbringen. Beides zusammen verträgt sich nicht."

Was sich hingegen weiter mit den Urlaubsvorlieben vieler Menschen vertrage, sei All-Inclusive. Pojer: "Es gibt viele Menschen, die ein gewisses Maß an Sicherheit schätzen und bereits vor Urlaubsantritt wissen wollen, wie teuer sie der Urlaub inklusive Essen und Trinken kommt."

All Inclusive en vogue

In der Türkei, einem der Lieblingsurlaubsländer der Österreicher in der Flugdistanz, seien bereits 60 Prozent der Hotels auf All Inclusive umgestellt. Wer aber glaube, ein schlecht gehendes Hotel durch Anwendung der All-Inclusiv-Formel in ein gut gehendes verwandeln zu können, irre gewaltig. "Die Menschen durchschauen das und kommen kein zweites Mal".

Obwohl die Innovationszeiten in der internationalen Touristik immer kürzer werden, rechnet der TUI-Direktor auf Sicht mit einer Entschleunigung in der Ferienhotellerie. "Jeder von uns fährt mit 110 Prozent Umdrehung, und das Tag für Tag. Im Urlaub will man sich erholen, keinen Stress mehr haben", sagte Pojer, und zitierte den deutschen Trendforscher Horst Opaschowsky: "Luxus in der heutigen Zeit heißt Verzicht aufs Handy". Wer neue Hotelkonzepte mache, sollte auf diese Tatsache nicht vergessen.

160.000 Betten in 185 Hotels

Die Touristik ist die Hauptsäule der von Hannover aus gesteuerten TUI-Gruppe. Mit 185 Hotels und knapp 160.000 Betten ist TUI Hotels & Resorts der größte Ferienhotelier Europas und belegt den 12. Platz im Ranking der 300 größten Hotelketten weltweit. Marken wie Riu, Robinson, Grecotel und Iberotel zählen zum Portfolio der Beteiligungshotels. In Österreich, wo TUI unter anderem mit den Dorfhotels präsent ist, hat die Gruppe im vorigen Herbst den Klubanbieter Magic Life zur Gänze übernommen.

Mit Magic Life sind nach Angaben von Pojer heuer "deutlich mehr als 300.000 Gäste" auf Urlaub gewesen. Erstmals wird der Klub nun auch in Großbritannien vermarktet.

Das Potenzial an Kluburlaubern sei noch bei Weitem nicht ausgeschöpft. Allein in den deutschsprachigen Ländern gingen die Schätzungen von rund vier Millionen Gästen aus, die sich für eine derartige Form von Urlaub gewinnen ließen. "Wir arbeiten daran", sagte Pojer. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.10.2005)

  • Von der Steiermark in die weite Welt: Karl Pojer, Chef der TUI Hotels & Resorts.
    foto: standard

    Von der Steiermark in die weite Welt: Karl Pojer, Chef der TUI Hotels & Resorts.

Share if you care.