Kopf des Tages als Nachlese: George Opong Weah, ein Kicker als King der Hoffnung

7. Dezember 2005, 10:06
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Naturgemäß fasziniert die Reise des George Opong Weah die Menschen Liberias, eines der zerrüttetsten Länder der Welt.

George wuchs als eines von neun Geschwistern mit der Großmutter in ärmlichen Verhältnissen in Klaratown auf, einem Slum der Hauptstadt Monrovia. 1980, als sich Samuel K. Doe mit Gewalt als erster Einheimischer in dieser 1847 von freigelassenen US-Sklaven gegründeten Republik das Präsidentenamt nahm, begann er bei den Young Survivors von Klaratown zu kicken. Im Tor. Doch es sollte ein Stürmer aus ihm werden, der unter anderem bei Monaco, Milan und Chelsea wirkte, der es als erster und bisher einziger Afrikaner zum Weltfußballer des Jahres (1995) und also zu großem Reichtum brachte. Zu der Zeit war Doe schon längst von den Rebellen seines Nachfolgers Charles Taylor exekutiert worden. Und in Liberia begann ein hauptsächlich von Kindersoldaten geführter Bürgerkrieg, der erst vor zwei Jahren gestoppt wurde. 15.000 Blauhelme sichern den Frieden.

Dieser Tage fährt Weah entweder in einem mächtigen Hummer inmitten seines 50 Fahrzeuge umfassenden Wahlkampftrosses durchs Land oder er rollt in seinem Porsche Boxter durch die löchrigen Straßen Monrovias, das seit 20 Jahren ohne zentrale Trinkwasserversorgung und Strom ist. Schul- wie Rechtssystem sind zerstört.

Weah, den Nelson Mandela als "Stolz Afrikas" bezeichnete, galt mit seiner vor einem Jahr gegründeten Partei namens Kongress für den demokratischen Wandel (CDC) als Favorit bei den nun abgehaltenen Parlaments- und Präsidentenwahlen. Seine Botschaft lautet: Friede, Friede, Friede. Die Konkurrenz kritisiert seine mangelnde Bildung. "Ja", sagt Weah, "ich bin nur ein Fußballer. Aber ich habe meinen Erfolg dazu benützt, um euch zu helfen." Die anderen 21 Kandidaten wiesen auch darauf hin, dass er vor zehn Jahren die französische Staatsbürgerschaft angenommen hat und dass er weiland zum Islam konvertierte, um nun wieder einen Christen zu geben. Seine Anhänger, zu denen zahlreiche ehemalige Kindersoldaten gehören, nennen ihn, der in Monrovia eine TV- und eine Radiostation betreibt, schlicht King George.

Der King hätte es sich leichter machen können. Als er 1996 die UNO um Soldaten bat, ließ Taylor Weahs Haus in Monrovia niederbrennen. Zwei seiner Cousinen wurden vergewaltigt. Weah verließ das Land, kehrte erst wieder, als Taylor ins Exil geflüchtet war.

Weah spielte eine Hauptrolle bei der Entwaffnung von Regierungstruppen und Rebellen, 100.000 erhielten jeweils 300 Dollar für abgegebene Gewehre, aber keine Arbeit. Während des an Todesdrohungen reichen Wahlkampfes blieben seine aus Jamaika stammende Frau und seine drei Kinder im Zweitwohnsitz in Florida. (DER STANDARD, Printausgabe, 12.10.2005)

von Benno Zelsacher
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