Immobilien-Deals sind auf Schiene

3. November 2005, 20:07
3 Postings

Bahn-Chef Huber erwartet sich aus dem Verkauf jener Grundstücke, die der Bahn gehören, an den Gebäudeeigentümer mindestens 50 Millionen Euro

ÖBB-General Martin Huber setzt bei der Bahn das um, was er als Immobilienexperte bei der Porr gelernt hat: Er nimmt sich des großen Immobilienbesitzes der Bahn an, versucht diesen optimal zu verwerten und will mit dem Erlös die leeren Kassen der Bundesbahn füllen.

"50 Millionen Euro plus"

Mindestens 50 Millionen Euro erwartet sich Huber jährlich aus Liegenschaftsverkäufen, weitere 60 Millionen aus Vermietung und Verpachtung und "50 Millionen Euro plus" aus dem Verkauf von Baurechten. Gemeint sind damit Grundstücke, die der Bahn gehören, bei denen das darauf gebaute Haus aber einen anderen Eigentümer hat (Superädifikat). So hat jüngst die Raiffeisen Zentralbank das Grundstück ihrer Zentrale am Wiener Stadtpark von der Bahn gekauft. Über den Verkauf des dahinter liegenden Einkaufszentrums AEZ wird mit der Porr verhandelt.

Anlässlich einer Pressereise zur Immobilienmesse Exporeal nach München kündigte Huber an, seine größte mit einem Superädifikat bebaute Fläche – das Grundstück, auf dem sich die Wiener Wirtschaftsuniversität befindet – an die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) zu verkaufen. BIG-Chef Christoph Stadlhuber zeigte sich davon nicht sehr angetan. Er sehe keinen Anlass zu kaufen. Denn den Kaufpreis müsste die Uni über höhere Mieten bezahlen. Gut möglich, dass nun doch ein Neubau der Wirtschaftsuni interessanter wird als die aufwändige Sanierung.

Huber sieht "Win-Win-Situation"

Für Huber sind die Grundstücksverkäufe eine "Win-Win-Situation" für beide Seiten: Die Bahn hat die Grundstücke zum Buchwert in der Bilanz und verkauft sie abgezinst um die künftigen Pachterträge zum Verkehrswert an den Immobilienbesitzer. ÖBB-Immo-Chefin Michaela Steinacker: "Wir heben damit stille Reserven, an die keiner gedacht hat." Der Käufer wiederum bekommt eine hypothekarfähige Immobilie, die er belehnen oder an einen Fonds verkaufen – jedenfalls aber dekonsolidieren und damit die eigene Bilanz entlasten kann. Huber zum STANDARD: "Aus einer unflexiblen Liegenschaft wird eine flexible."

Die ÖBB hat seit 2003 die gesetzliche Möglichkeit, Grundstücke, die im Eisenbahner- Grundbuch sind, in ein öffentliches zu übertragen und anschließend zu verkaufen. Ermöglicht und rechtlich durchgeboxt hat das der damalige Porr-Vorstand Huber beim Verkauf des City-Towers in Wien-Mitte, der nun Gerichte beherbergt.

Abrücken von Baufirmen-Plänen

Von der für Mitte 2005 geplanten Gründung einer eigenen Baugesellschaft ist Huber offenbar etwas abgerückt. "Wir sind intensiv am Konzipieren, aber nicht, um Porr oder Strabag Konkurrenz zu machen, sondern um in ÖBB-eigenen Bereichen wie dem Leitungs- oder Brückenbau aktiv zu werden", relativierte er. Neu ist das freilich nicht, denn die Bahn hat immer auch selbst gebaut. Nach Hubers Ankündigung machten die Baufirmen mobil. Sie befürchteten "subventionierte Preise", weil die Bahn keine marktwirtschaftlichen Preise anbieten könnte. (Claudia Ruff aus München, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.10.2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    ÖBB-Vorstandschef Martin Huber sieht im Verkauf der Liegenschaften eine "Win-Win-Situation".

  • Artikelbild
    grafik: standard
Share if you care.