Dem Krieg friedlich den Kampf ansagen

28. März 2006, 11:28
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Ein Buch, das zu Demonstrationen animiert

Heuer jährt sich zum 100. Mal die Verleihung des Friedensnobelpreises an Bertha von Suttner. Passend dazu erscheint der 120-seitige Roman "Bertha" von Elisabeth Hewson, der sich nicht nur mit Suttner, sondern auch mit Pazifismus heute beschäftigt. "Dulce et decorum est pro patria mori", sagte einst der römische Dichter Horaz, der von 65 bis acht v. Chr. lebte. Doch ist es wirklich süß und ehrenhaft, für das Vaterland zu sterben? Diese Frage stellt sich die junge Namensvetterin der Friedensnobelpreisträgerin.

Humorvoll und mit Herz ist die Rahmenhandlung dieses Buches aufgebaut. Das Mädchen Bertha, das viel lieber Betty genannt wird, muss als Strafarbeit in der Schule eine Rede über Bertha von Suttner halten. Zu Beginn weniger von dieser Aufgabe begeistert, stürzt sich die Jugendliche beinahe widerwillig in ihre Nachforschungen. Hierbei stehen ihr sowohl ihre Großmutter - eine hingebungsvolle Pazifistin -, deren Freundin Ike - eine Frauenkämpferin -, Berthas Bruder Stefan, ihre beste Freundin Alice, der Historiker Heinz als auch dessen Sohn Artur mit Rat und Tat zur Seite. Hewson verknüpft Vergangenheit und Gegenwart und lässt ihre Charaktere auch über die UNO, Mahatma Gandhi und die aktuellen Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Irak debattieren. Schnell lernt Bertha, dass ihr Name doch nicht zu altmodisch ist und dass Bertha von Suttner eine Powerfrau verkörpert. Kritik war für die als Gräfin Kinsky von Chinic und Tettau am 9. Juni 1843 geborene Frau ein Ansporn, Literatur eine Leidenschaft und Krieg bis zu ihrem 46. Lebensjahr uninteressant. Mit "Krieg dem Kriege" sagte Bertha von Suttner allen militärischen Handlungen in ihrem Hauptroman "Die Waffen nieder!" den friedlichen Kampf an.

Obwohl das Layout und die Rahmenhandlung von "Bertha" eher Jugendliche ab zwölf Jahren anspricht, werden jene Zitate, die Hewson aus Suttners Werken entnommen und in ihren Roman mit eingeflochten hat, für die jüngeren Leser schwer verständlich sein. Man sollte sich also keinesfalls von der Aufmachung abschrecken lassen, denn die Beschäftigung mit der weltweit bekannten Friedenskämpferin kann nur eine Bereicherung darstellen. (DER STANDARD, Printausgabe 11.10.2005)

Von Sybille Brunner (17)
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