Paris fordert EU-weite Koordination im Kampf gegen Vogelgrippe

12. Oktober 2005, 12:29
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Geflügel in der Türkei und in Rumänien getötet - Krisenstab in Deutschland einberufen - Österreich gelassen

Ankara/Düsseldorf/Berlin - Im Kampf gegen eine Ausbreitung der Vogelgrippe hat der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy eine Koordination der EU-weiten Maßnahmen gefordert. Dem französischen Fernsehsender France-2 sagte Douste-Blazy am Dienstag, er hoffe auf ein baldiges Treffen der Gesundheits- und Außenminister der Mitgliedstaaten, "so dass wir unsere Reaktion abstimmen können".

Österreichts Regierung gelassen

Die österreichische Regierung reagierte vorerst gelassen auf Vogelgrippe-Verdachtsfälle in Rumänien. Es gäbe bisher keine Hinweise auf Handlungsbedarf in Österreich, sagte Landwirtschaftsminister Josef Pröll (V). Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (V) betonte, dass sich das Virus in Rumänien bisher nicht als die gefürchtete "Geflügelpest" entpuppt habe. Der im Zuge des "Pandemieplanes" vorgesehene Einkauf von Influenza-Medikamenten für rund 20 Prozent der Bevölkerung wird laut Rauch-Kallat in den nächsten Wochen und Monaten starten.

Vogelgrippe-Fälle in der Türkei

Nach dem Auftreten von Vogelgrippe-Fällen in der Türkei stellten Behörden im Westen des Landes zwei Ortschaften unter Quarantäne. In Kaziksa und Salur im Bezirk Balikesir wurden 2.500 Truthähne und 400 Hühner getötet. Ein rund drei Kilometer breiter Gürtel um die beiden Ortschaften wurde gesperrt. Die Reifen aller Fahrzeuge, die die Region verließen, wurden mit Desinfektionsmittel besprüht, in der gesamten Gegend wurde die Jagd verboten.

60 Opfer in Asien seit 2003

Der Vogelgrippe sind seit 2003 in Asien 60 Menschen zum Opfer gefallen. Experten warnen, dass der hoch ansteckende H5N1-Erreger mutieren und zwischen Menschen übertragbar werden könnte. Eine Bestätigung, dass es sich bei dem in der Türkei aufgetretenen Virus um den Typ H5N1 handelt, gab es aber vorerst nicht. Auch bei den Fällen in Rumänien stand ein genaues Ergebnis noch aus.

Notschlachtungen in Rumänien

Unterdessen wurden die Notschlachtungen von Geflügel in dem unter Quarantäne stehenden rumänischen Dorf Ceamurlia de Jos fortgesetzt. Nach Protesten der Dorfbewohner waren am Montag die Massentötungen vorübergehend eingestellt worden. Die Einheimischen stimmten weiteren Notschlachtungen erst zu, als die Regierung in Bukarest ihnen Entschädigungen in Höhe von etwa zwei Euro je Kilo Lebendgewicht fest zugesagt hatte.

Wie der Fernsehsender "Realitatea TV" meldete, müssen noch 15.000 von ursprünglich 45.000 Enten, Gänsen, Puten und Hühnern in Ceamurlia eingesammelt, getötet und entsorgt werden. Das machten seit Dienstag nur noch Spezialisten der Veterinärdirektion, auf den Einsatz von Ortskräften sei verzichtet worden, hieß es.

Krisenstab in Deutschland

Angesichts der ersten Vogelgrippe-Fälle in Europa berief die deutsche Regierung den nationalen Krisenstab von Bund und Ländern ein. Das Gremium soll am Mittwoch in Bonn zusammenkommen, um die von den gemeldeten Vogelgrippefällen in Rumänien und der Türkei ausgehende Gefahr zu erörtern. Der amtierende Verbraucherminister Jürgen Trittin betonte am Dienstag in Berlin, man sei auf den schlimmsten Fall vorbereitet. Wenn die Vogelgrippefälle von dem hochgefährlichen Virus H5N1 verursacht worden seien, "werden unsere Notfallpläne sofort greifen".

Da der Erreger der Vogelgrippe auch durch Kleidung, Schuhe und andere Gegenstände übertragen werden kann, appellierte Trittin erneut an Reisende, in Rumänien und der Türkei direkte Kontakte mit Geflügel zu vermeiden und auf den Besuch von Geflügelmärkten zu verzichten. Laut RBB sagte Trittin: "Was uns Sorge macht, ist die Frage möglicher illegaler Importe aus der Türkei." (APA/AP)

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