Europäische Notfallnummer 112 noch immer weitgehend unbekannt

4. November 2005, 15:11
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EU-Kommissarin fordert mehr Aufklärung und besseres Service - Abwicklung in Österreich mangelhaft

Die europaweite Notfallnummer 112 ist unter den Bürgern noch immer unzureichend bekannt. Zu diesem Ergebnis kommt die EU-Kommission, die auch andere Mängel im Zusammenhang mit der Abwicklung der Anrufe kritisiert. "Das Service ist nicht immer perfekt und die Information für die Bürger auch nicht", sagte die zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding am Dienstag in Brüssel. Sie forderte die EU-Staaten dazu auf, die Nummer in der Öffentlichkeit bekannter zu machen.

Bereits heute könne die Nummer 112 in allen 25 EU-Staaten vom Fest- oder Mobilfunknetz aus angerufen werden, sagte Reding. Frühere Probleme mit der Erreichbarkeit der Notfallnummer etwa in Polen seien gelöst worden. In mehr als der Hälfte der Mitgliedstaaten können aber die Anrufer noch nicht automatisch lokalisiert werden. Dies ist insofern wichtig, als in Europa in naher Zukunft "automatische" Notrufe von Autos nach einem Verkehrsunfall ermöglicht werden sollen.

Problem Sprachen

Ein weiteres Problem sind die Sprachen, in denen einem Anrufer geantwortet wird. "Ein Anruf sollte in der ganzen EU in der Muttersprache möglich sein", verlangte Reding. Man müsse bedenken, dass Personen in Notsituationen unter Schock stünden und zur Auskunft in einer Fremdsprache unter Umständen nicht in der Lage seien. Auch die Organisation der Anrufe bereitet in vielen EU-Ländern noch Probleme. "Wenn Sie in Italien 112 rufen, werden Sie mit den Carabinieri verbunden", kritisierte Reding.

Positive Beispiele seien Finnland und Lettland, wo die Notrufnummer in TV-Sendungen einem breiten Publikum vorgestellt worden sei, sagte Reding. Alle Auflagen der EU-Kommission erfüllen bisher nur Finnland, Dänemark, Estland, Spanien, Slowenien und Schweden. In Österreich beanstandet die EU-Kommission, dass die Anrufe nicht in allen EU-Sprachen beantwortet werden und die Abwicklung der Gespräche mangelhaft sei. Auch die Information der Bürger über die Nummer sei "unzureichend". Die EU-Kommission könnte wegen dieser Mängel in den nächsten Monaten ein Verfahren wegen Verletzung des EU-Vertrages gegen die betroffenen Staaten einleiten, warnte Reding. (APA)

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