Präsidentenwahl verläuft friedlich

7. November 2005, 22:24
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Ehemaliger Fußballstar Weah gilt als Favorit - Stichwahl am 8. November wahrscheinlich

Monrovia - Nach der Präsidentschaftswahl in Liberia liegt der frühere Fußballstar George Weah nach Auszählung eines Drittels der Wahllokale weiter in Führung. Demnach käme Weah auf 26,6 Prozent der Stimmen, teilte die nationale Wahlkommission am Freitag nach Auszählung von 974 der 3070 Wahllokale mit.

Auf dem zweiten Platz lag die frühere Weltbankmanagerin Ellen Johnson Sirleaf mit 16,7 Prozent, auf Platz drei der Geschäftsmann Charles Brumskine (11,3 Prozent). Damit hätte keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht, eine Stichwahl am 8. November ist wahrscheinlich. Die Beteiligung bei der Präsidentenwahl am vergangenen Dienstag lag laut Zwischenergebnis bei 73 Prozent.

Die Liberianer hatten am Dienstag erstmals seit Ende des Bürgerkriegs einen Präsidenten und ein Parlament gewählt. Weah, einstiger Starstürmer des AC Mailand und 1995 Weltfußballer des Jahres, präsentierte sich im Wahlkampf als entschiedener Gegner der Korruption, die dem rohstoffreichen Land in den vergangenen Jahrzehnten schwere Verluste eingetragen hatte. Im August 2003 hatten drei Krieg führende Parteien den seit 1989 andauernden Bürgerkrieg mit einem Friedensabkommen beendet.

Keine Umfragen

Zwar gab es vor der Wahl keine Umfragen, doch galt der 40-jährige ehemalige Fußballstar George Weah als Favorit. Chancen auf einen Wahlsieg hatte aber auch die 66-jährige Ellen Johnson-Sirleaf, die mehreren früheren Regierungen angehörte. Bei der Präsidentenwahl muss ein Kandidat im ersten Wahlgang mehr als 50 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen, sonst kommt es im November zu einer Stichwahl.

Die Wahl soll eine zweijährige Übergangsperiode beenden. Der frühere Diktator und Warlord Charles Taylor war 2003 entmachtet worden und entzieht sich im nigerianischen Exil dem Zugriff des UNO-Kriegsverbrechertribunals in Sierra Leone.

Die Wahl sei nicht nur für Liberia, sondern für die Region und für den ganzen Kontinent äußerst wichtig, sagte der ehemalige Präsident von Benin, Nicephore Soglo, der zusammen mit dem früheren US-Präsidenten Jimmy Carter eine Beobachterdelegation leitet. Carter erklärte, der Wahlkampf habe die Entschlossenheit der Liberianer zu Gewaltlosigkeit und Demokratie gezeigt. UN-Generalsekretär Kofi Annan bezeichnete die Wahl in einer Radioansprache als Beginn "eines neuen Kapitels in der Geschichte Liberias".

Insgesamt überwachten 400 internationale und 900 lokale Beobachter die Abstimmung. Vorbereitet wurde sie von einer Übergangsregierung unter dem Schutz von 15.000 Soldaten einer internationalen Friedenstruppe. Die Republik Liberia war 1847 von freigelassenen US-Sklaven gegründet worden und ist etwas größer als Österreich. (APA/AP)

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