Das aktuelle Buch: Von Mördern und anderen Schurken

12. Oktober 2005, 09:27
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"Es gibt durchaus noch schöne Morde" - Die spannendsten und skurrilsten Kriminalfälle der letzten 25 Jahre

So etwas sollte es öfter geben: ein Polizist, der ohne kriminaltaktische Scheu aus dem Nähkästchen plaudert, und ein Journalist, der ohne Zwang der Schlagzeile seiner Profession freien Lauf lässt. Dabei hatten Ernst Geiger, der Leiter der Wiener Kriminaldirektion 1, und Paul Yvon, Medientrainer und langjähriger Gerichtsreporter bei Presse und profil, zu Beginn ihrer Karrieren eher mehr Miss- als Vertrauen zueinander.

Auch heute noch glauben die beiden, dass das Spannungsverhältnis zwischen Polizei und Medien niemals aufgelöst werden kann. Aber aus der jahrelangen beruflichen Zusammenarbeit ist nun ein gemeinsames Buch entstanden, das die spannendsten und skurrilsten Kriminalfälle der letzten 25 Jahre in Österreich schildert. Geiger erzählt, Yvon fragt nach.

Natürlich taucht als Erster Jack Unterweger auf, im Kapitel "Eine böse Gabe: wissen, was sie hören wollen". Geiger führte die Ermittlungen, brachte den "Häfenpoeten", der nach einem Mord wegen guter Führung vorzeitig entlassen worden war, schließlich wieder zurück ins Gefängnis. Wegen einer neuerlichen Mordserie, die aber nach Unterwegers Selbstmord gerichtlich nie rechtskräftig abgeschlossen wurde.

Auch Helmut Frodl und Wolfgang Ott, beide sitzen ihre Haftstrafen noch ab, dürfen in der Mörderchronik nicht fehlen. Aber auch viele No-Name-Täter waren eine harte Ermittlungsnuss.

Mehr als zwanzig Jahre lang schwere Kriminalität in Griffnähe - ob Geiger es da nicht ab und zu mit der Angst zu tun bekommt? "Nein", sagt er, "die Leute fürchten sich viel zu sehr." (Michael Simoner, DER STANDARD-Printausgabe 11.10.2005)

Ernst Geiger und Paul Yvon:
"Es gibt durchaus noch schöne Morde"
Kremayr & Scheriau/Orac, Wien 2005
224 S., 19,90 Euro
  • Artikelbild
    cover: kremayr&scheriau/orac
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