Porträt: Thomas C. Schelling

9. Oktober 2006, 09:15
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US-Amerikaner ist erst mit 84 Nobelpreisträger geworden - Bei Marshall-Plan mitgearbeitet - Wichtiger militärischer Analytiker

New York - Der US-Amerikaner Thomas C. Schelling ist erst mit 84 Jahren Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften geworden. Er ist einer der frühen Entwickler und stark praxisbezogener Anwender der wirtschaftswissenschaftlichen Spieltheorie.

Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen hat sich Schelling nicht auf esoterische und mathematisch ausgeklügelte Varianten der Spieltheorie im Wirtschaftsbereich beschränkt, sondern hat immer aktuelle menschliche Probleme und die möglichen Aktionen staatlicher oder anderer Mitspieler in den Vordergrund seiner Forschung und Publikationen gestellt.

Schelling hat vor allem über Militärstrategie und Abrüstung geschrieben, aber auch über Entwicklungshilfe, Terrorismus, Klimawechsel und Umweltschutz, Energie, Rassentrennung, Rauschgift- und Raucherprobleme, organisiertes Verbrechertum sowie viele andere soziale Probleme. Ihm ist es mit zu verdanken, dass die Spieltheorie in vielen sozialwissenschaftlichen Bereichen breite Anwendung findet.

Marshall-Plan

Schelling hatte zu Beginn seiner langen akademischen Karriere in Washington im Budgetbüro der Regierung, bei der Marshall-Plan-Verwaltung in Paris und Kopenhagen und im Weißen Haus gearbeitet. Später lehrte er jahrzehntelang an den amerikanischen Universitäten Yale, Harvard und der University of Maryland.

Er ist nicht zuletzt wegen seiner frühen praktischen Erfahrungen in Washington und Europa einer der wichtigsten Analytiker in militärischen und Abrüstungs-Fragen geworden. Sein Buch "Strategy of Conflict" war 1960 bahnbrechend.

Es verwendete wirtschaftswissenschaftliche Methoden, um Probleme in Internationalen Beziehungen aufzuzeigen. Damit leistete er einen wichtigen Beitrag zur Spieltheorie. Schelling nimmt meist Beispiele aus dem täglichen Leben, um Verhaltensweisen und alternative Handlungsmöglichkeiten von Personen, Staaten oder Gruppen zu analysieren.

"Nukleares Tabu"

"Das wichtigste Ereignis der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist eines, das nicht stattgefunden hat", erklärte Schelling kürzlich in einem Interview mit einer Publikation der Federal Reserve Bank of Richmond im Hinblick auf die Frage, warum der Kalte Krieg ohne Anwendung von Atomwaffen zu Ende gegangen war.

Er nannte viele Gründe und glaubt, dass das "nukleare Tabu" inzwischen so stark sei, dass die Verwendung nuklearer Waffen durch einen Nationalstaat "unwahrscheinlich sei". Man wisse allerdings nicht, ob dieses Tabu auch für Nichtstaaten-Mitspieler gelte.

Treibhauseffekt

In einem Artikel in "Foreign Affairs" vertrat Schilling die Auffassung, dass "der globale Klimawechsel zu dem werden könnte, was die Atomwaffenkontrolle während des vergangenen halben Jahrhunderts gewesen sei". "Es hat mehr als ein Jahrzehnt gedauert, um ein Konzept der Abrüstungskontrolle zu entwickeln. Deshalb überrascht es nicht, dass es lange dauert, um einen Weg für einen Konsens zur Lösung des Treibhaus-Problems zu finden," erläuterte Schelling die unterschiedlichen Interessenlagen der USA, der anderen Industriestaaten und der Entwicklungsländer. (APA/dpa)

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