Gute Noten zum Geburtstag

17. Oktober 2005, 10:53
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Zehn Jahre Christian-Doppler-Gesellschaft waren Anlass für eine Evaluierung - mit Grafik

Zehn Jahre besteht die Christian-Doppler-Forschungsgesellschaft (CDG) nun schon. Zum Jubiläum ließ man sich evaluieren: eine Prüfung, die sehr zufrieden stellend für den Geprüften verlief. Die Gesellschaft sei sehr effektiv, wenn auch weit gehend unbekannt, hieß es.

Die CDG fördert anwendungsorientierte Grundlagenforschung und errichtet Labors in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaft an Universitätsinstituten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen im In- und Ausland. Diese Labors, derzeit sind es 37 mit 325 Mitarbeitern, haben eine Laufzeit von sieben Jahren. Verlängerungen wie etwa bei den Kompetenzzentren sind nicht möglich. 13,6 Millionen Euro stehen derzeit zur Verfügung.

Warum die Laufzeit nicht verlängert wird, erklärte CDG-Präsident Reinhart Kögerler scherzhaft bei der Präsentation der Evaluierungsergebnisse vergangene Woche: "Wir sind professionelle Killer." Im Laufe der Jahre habe man bereits 20 bis 30 Einrichtungen geschlossen. Das maximale Jahresbudget eines CD-Labors beträgt 500.000 Euro, durchschnittlich arbeiten dort sieben Personen.

Die meisten Labors gibt es in Wien und der Steiermark. Studienleiter Andreas Schibany bescheinigte den CD-Labors, "sehr effektiv, unbürokratisch und flexibel" zu arbeiten. Das derzeitige Modell solle beibehalten werden, gleichzeitig warnte er vor einer "Zielüberfrachtung".

Manko der CDG sei das fehlende Bewusstsein in der Öffentlichkeit für die Arbeit in den Labors. Bei einer Unternehmensbefragung in österreichischen Leitbetrieben, die Forschung und Entwicklung betreiben und keine CDG-Mitglieder sind, gaben nicht weniger als 59 Prozent an, die Gesellschaft nicht zu kennen.

In den kommenden Jahren soll daher die Öffentlichkeitsarbeit verstärkt werden. Die Evaluierung empfiehlt einen für die Öffentlichkeit bestimmten Jahresbericht. Gleichzeitig könne durch stärkere Präsenz die Internationalisierung vorangetrieben und die Attraktivität der CDG für ausländische Unternehmen erhöht werden.

Mehrere Initiativen

Schibany räumte ein, dass sich auf dem ursprünglich nur von der CDG besetzten Feld der Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft heute mehrere Initiativen tummeln. Alle zielen auf die Schließung der Förderlücke zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung ab. Er nannte unter anderem die Kompetenzzentren-Programme (K-plus, K-ind, K-net) und das Bridge-Programm, das die Weiterentwicklung und Verwertung von Erkenntnissen der Grundlagenforschung für wirtschaftliche Anwendungen verfolgt. Die CDG sei keine Förderagentur wie die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), sondern ein Verein, dessen Mitglieder von der Industrie gestellt werden, so Schibany.

In der unter Federführung des Joanneum Research erstellten Studie wird auch eine Abgrenzung vorgenommen: So sei etwa das K-plus-Programm des Infrastrukturministeriums stärker wissenschaftsgetrieben, die CD-Labors wiederum würden im Gegensatz zu den Kompetenzzentren neben dem Wissensaufbau auch auf den Wissenstransfer setzen, also die Nutzung der Expertise der Unis für die Wirtschaft. Außerdem werde bei der Christian-Doppler-Gesellschaft bewusst kein Infrastrukturaufbau betrieben. Grund: die begrenzte Laufzeit.

Kritische Worte findet die Studie zur Schaffung des Bridge-Programms der FFG und des Wissenschaftsfonds (FWF). Während man bei den Kompetenzzentren-Programmen bewusst eine Abgrenzung und Abstimmung mit der CDG vorgenommen habe, sei das Bridge-Programm "an der CDG vorbei" entwickelt worden.

Generalsekretär der Doppler-Gesellschaft ist seit 1. Juli Laurenz Niel, der zuvor zwölf Jahre beim FWF war - unter anderem als Assistent der Geschäftsleitung. (red/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.10. 2005)

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