Ein Portrait meiner Generation

28. März 2006, 11:28
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Dieses Stück war ein wahrhaft ungewöhnliches Ereignis

„Hey Sie, ja Sie, nehmen Sie bitte Ihre Plätze ein, ich möchte anfangen.“ Mit dieser Aufforderung wurde das Publikum des Stückes „Nicht einmal Hundescheiße – eine minimalistische Bürgerchoreografie“ von der Hauptdarstellerin dieser sehr eigenwilligen Aufführung begrüßt und es begann eine Reise durch die Psychen vier verschiedener Frauen. Fand dieses Stück, das im Rahmen des steirischen Herbstes uraufgeführt wurde, im Schauspielhaus statt? Nein! Dieses Stück war ein wahrhaft ungewöhnliches Ereignis. Nicht nur, dass die Bühne eine Wiese an einer Kreuzung war, sondern auch, dass das Publikum im ersten Stock des Citytowers untergebracht war, um von dort aus das Stück zu verfolgen.

Der Regisseur Helmut Köpping hat sich da einen wirklich originellen Schauplatz ausgesucht. Umgeben von einer stark befahrenen Straße, zwischen Bäumen und niedrigen Hecken, einem Strommasten und zwei Bänken fand ein öffentlicher Rückzug ins Private statt. Die Belanglosigkeit dieses Platzes gleicht der Unbedeutsamkeit der vier Frauen. Eine Frau stellt sich in die Mitte der Wiese und beginnt dem Publikum zu erklären, dass sie ein Portrait über ihre Generation machen möchte. Eine andere Frau kommt dazu und wird Darstellerin in ihrem Portrait.

„Verspüren Sie manchmal den Drang jemanden zu töten?“ Sie beginnen sich energisch über Themen wie, Mord und Selbstmord zu unterhalten. In einer bequemen Diskussion versuchen sie herauszufinden, warum Menschen töten - was soll das für einen Zweck erfüllen? Ein gemeinsamer Nenner einer jeden Begegnung ist ein Lied, begleitet von einer Gitarre. Je nach Thema ändert sich der Refrain. In diesem Fall ist es: Woher kommen wir, wer sind wir? Warum schießen wir nicht aufeinander? Eine dritte Frau kommt zufällig an diesem Ort vorbei und löst die zweite ab. Auch sie wird Teil des Portraits und gibt allerlei über ihre Befindlichkeiten preis. Die Frau, die eine ausgefallene Sammelleidenschaft besitzt und gerne in fremde Länder reist, erzählt über ihre Erfahrungen und Erlebnisse. Ein neues Lied erklingt: „Wer hat dem wird gegeben – wer nicht hat dem wird genommen!“ Die letzte Darstellerin des Portraits erscheint auf der „Bühne“ und es stellt sich heraus, dass sie eine Stewardess ist. Ein etwas trockener Dialog zwischen den beiden Frauen endet wieder mit einem Lied: Leider kannst du uns nicht in die Sonne fliegen, leider hatten wir ein technisches Problem.

Der Reihe nach kommen die anderen Frauen auch wieder zur Wiese und beginnen wild durcheinander zu reden und zu singen. Pia Hierzegger, Martina Zinner, Eva Maria Hofer und Beatrix Stegmüller spielten ihre Rollen sehr überzeugend und stellten ihr schauspielerisches Talent unter Beweis. Auch Passanten und vorbeifahrende Autos konnten die Schauspieler nicht irritieren. Im großen und ganzen war „Nicht einmal Hundescheiße“ ein sehr interessantes Stück, aber teilweise zu trocken.

Theaterkritik von Veronika Konrad und Sibylle Haas, WIKU Graz, 7b
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