Eindeutig mehr als Hundescheiße

16. März 2006, 12:20
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Ein namenloser Park, umrandet von der Hektik des Alltags

Mit angenehmer Hintergrundmusik lässt der Zuschauer schon vor Beginn des Stücks, "Nicht einmal Hundescheiße" welches im Rahmen des Steirischen Herbstes uraufgeführt wird, auf sich wirken. Und so mancher erfasst schon jetzt was das Stück eigentlich ausmacht. Eine kleine Fläche Grün; ein Baum, zwei Bänke, Blumen. Ein namenloser Park, umrandet von der Hektik des Alltags. Unbeachtet und vergessen von Bussen, Autos, Betrunkenen, Ehepaaren mit Kindern und Hunden. Oder doch nicht?

„Eine Frau schlägt mit einer „Keule“ auf einen Baum ein, eine andere steht „nur“ da, umringt von Liege- und Stühlen, während Omas mit großäugigen Kleinkindern verstohlene Blicke werfen. Und man selbst fragt sich instinktiv: Was ist hier inszeniert? Was läuft hier nach Plan? Auch Regisseur Helmut Köpping betont, dass es für ihn immer wieder aufregend ist das Stück zu sehen. Die Grundidee der Performance ist die, dass eine Künstlerin um die 30 ein Portrait ihrer Generation machen möchte. So interviewt sie nach einander drei Frauen die als zufällig vorbeikommende Passantinnen dargestellt werden. „Entschuldigung? Hätten sie einen Moment Zeit? Ich mache ein Portrait unserer Generation.“ Und so erfährt man im Gespräch, teilweise fast an Selbsttherapie grenzend, so einiges an Interessantem. Von Mordgelüsten, über Flugangst bis hin zu der Notwendigkeit eines speziellen Sammelstücks. Doch alle haben sie eines gemeinsam. Den öffentlichen Rückzug ins Private. Verständnis. Die vier Frauen des Ensembles vom „Theater im Bahnhof“ beweisen ihr schauspielerisches Können, auch wenn die Akteure zeitweilen nebensächlich werden. Dies fällt aber, gewollt, mehr positiv als negativ ins Gewicht.

Mit den Philosophien der 4 im Hintergrund, geraten die Passanten unfreiwillig ins Zentrum des Geschehens. Man beginnt bestimmte Parallelen zu erkennen und wird nachdenklich. Der Gedanke, dass all diese Menschen ein Leben führen wirkt beinahe abstrakt ist aber Realität. Speziell, oder einfach anders als gewohnt ist die Situation des Publikums. Man sitzt im City Tower an einem Fenster und blickt über die Straße auf den kleinen Park. Fast wie im Film wird der Ton separat eingeblendet, das ganze ein Stockwerk höher und man fühlt sich sicher, gewinnt Distanz. „Im Trockenen“ darf man sich insgeheim ein wenig überlegen fühlen. Gegenüber den „ganzen Anderen da unten“ die keine Ahnung haben was geschieht. Nur darf man dann nicht enttäuscht sein wenn dann „durch eine Kunstpause die so lang ist, dass ein Bus durchfahren kann“ wirklich einer fährt.

Gegen Ende wird es ein wenig melancholisch wie der Refrain des Abschlussliedes (ja, gesungen wird auch) unterstützt: "Leider kannst du uns nicht in die Sonne fliegen, Leider haben wir ein technisches Problem…" "Nicht einmal Hundescheiße" eine gelungene, gesellschaftskritische Performance des alternativen Theaters. Und eindeutig mehr als Hundescheiße. Was auch der Cockerspaniel und der Schnauzer gekonnt bewiesen haben. Vielen Dank an dieser Stelle!

Eine Theaterkritik von Agnes Ofner, Wiku BRG 7a
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