Nobelpreis für Robert J. Aumann und Thomas C. Schelling

9. Oktober 2006, 09:15
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Auszeichnung geht an Israeli-Amerikaner mit deutschen Wurzeln und US-Amerikaner für Arbeiten im Bereich der Spieltheorie

Stockholm - Der diesjährige Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaft geht an den in Deutschland geborenen Israeli sowie US-Bürger Robert J. Aumann (75) und den 84-jährigen Thomas C. Schelling aus den USA für ihre grundlegenden Beiträge zur Spieltheorie.

Wie die Schwedische Akademie der Wissenschaften am Montag in Stockholm mitteilte, werden beide für ihre Arbeiten "zum besseren Verständnis von Konflikt und Kooperation" mittels der Spieltheorie ausgezeichnet.

"Ungleiches Paar"

Der Sekretär des Nobelkomitees, Peter Englund, sagte: "Wir haben hier ein enorm ungleiches Paar ausgezeichnet." Zum langen Zeitraum bis zur Zuerkennung des Preises meinte Englund: "Ihre Modelle mussten sich ja erst in der Realität bewähren."

Die Arbeiten von Aumann und Schelling zur "strategischen Interaktion" hätten eine Brücke zwischen den Wirtschaftswissenschaften und den Verhaltens- und Sozialwissenschaften geschlagen, hieß es weiter.

Dank ihrer Forschungen lasse sich eine Vielzahl von Zusammenhängen erklären: Von der Preisbildung auf Märkten über Tarifverhandlungen bis hin zu Rüstungswettläufen und sogar Massenschießereien.

"Originelle Gedanken und Begriffe"

Wie es weiter hieß, hätten Aumann und Schelling dieser Theorie zum Durchbruch weit über die Grenzen der Volkswirtschaftslehre hinaus verholfen. Dabei habe Schelling ab Mitte der fünfziger Jahre vor allem "originelle Gedanken und Begriffe mit einem Minimum an mathematischer Technik" entwickelt. Aumann habe im Gefolge vor allem für die Anwendung mathematischer Analysewerkzeuge zur Entwicklung von Begriffen und Hypothesen gesorgt.

Aumann lehrt an der Hebräischen Universität in Jerusalem, Schelling lehrt seit seiner Emeritierung von der Harvard-Universität an der Universität des US-Bundesstaates Maryland. Damit ging der Wirtschafts-Nobelpreis seit der ersten Vergabe in 43 von 57 Fällen an Wissenschaftler von US-Universitäten.

Aumann "völlig überrascht"

Aumann hat sich "völlig überrascht" über seine Auszeichnung mit dem Nobelpreis geäußert. "Ich hatte wirklich keine Ahnung", sagte der in Frankfurt geborene Mathematiker am Montag der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Aber ich freue mich natürlich enorm."

Auch Thomas C. Schelling zeigte sich in einer ersten Reaktion überwältigt. Er wolle mit seiner Hälfte des Preises "etwas Nützliches" tun, sagte er der schwedischen Agentur TT.

Spieltheoretiker schon 1994 ausgezeichnet

Bereits 1994 ging der Wirtschafts-Nobelpreis an drei Spieltheoretiker. Die beiden US-Wissenschafter John C. Harsanyi und John F. Nash sowie der deutsche Mathematiker Reinhard Selten wurden damals für ihre grundlegende Analyse des "Gleichgewichts in der Theorie der nichtkooperativen Spiele" ausgezeichnet.

Selten hat sich am Montag erfreut über eine weitere Auszeichnung im Bereich der Spieltheorie gezeigt. "Das ist relativ unerwartet. Aber ich hatte eigentlich schon damals geglaubt: Wenn ein Spieltheoretiker den Nobelpreis bekommt, dann Aumann. Ich kenne ihn noch viel besser als Schelling - er ist ein Freund", sagte Selten am Montag unmittelbar nach der Bekanntgabe der Preisträger der dpa. Die Verleihung an Schelling sei hingegen eher eine Überraschung.

"Theorie des 'Superspiels'"

Aumann habe wichtige Beiträge zur so genannten kooperativen Spieltheorie geleistet. Dabei geht es zum Beispiel um die Bildung von Koalitionen in Parlamenten - ähnlich wie bei der derzeitigen Regierungsbildung in Deutschland - sowie unter den Anteilseignern von Aktiengesellschaften.

Aumann habe auch die Theorie des "Superspiels" geprägt. Dieser Begriff bezeichnet die ständige Wiederholung eines Spiels, etwa bei der Preisbildung auf Finanzmärkten mit ihren unterschiedlichen "Mitspielern".

Die Spieltheorie gelte inzwischen als "außerordentlich anerkannter Bereich" innerhalb der Wirtschaftswissenschaften, sagte Selten. Der 75-jährige emeritierte Professor an der Universität Bonn ist heute noch an mehreren Forschungsprojekten beteiligt. (APA)

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    Robert J. Aumann (l.) und Thomas C. Schelling.

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