Konzern-Töchter unter der Lupe

7. November 2005, 14:36
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Suche nach Auslandsaktiva - Zweiter Prozess nicht ausgeschlossen

Der weitgehend filetierte russische Ölkonzern Yukos hat vorige Woche einen weiteren Schlag abbekommen. Im Rahmen des Steuerverfahrens gegen den Konzern untersuchten russische und niederländische Ermittler mehrere Büros: die Moskauer Konzernzentrale, Moskauer Banken, Anwaltskanzleien und das Amsterdamer Tochterunternehmen Yukos Finance B.V., das das ausländische Vermögen des Konzerns verwaltet.

Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass Yukos-Manager von 2000 bis 2003 rund sechs Mrd. Euro Konzernvermögen systematisch und illegal ins Ausland geschafft haben. Dessen inhaftierter Ex-Chef Michail Chodorkowski wies die Vorwürfe zurück. Er und sein Geschäftspartner Platon Lebedew, die nach ihrer Verurteilung zu acht Jahren Haft auf den Abtransport in eine Strafkolonie warten, sehen so einer neuen Anklage entgegen. Kommt ein zweiter Prozess, bleiben sie in Moskau in Haft.

Umstritten ist unter Beobachtern das Motiv für die neuen Untersuchungen: Sie könnten weniger auf die finanzielle Vernichtung Chodorkowskis zielen, als vielmehr auf die Rückholung der transferierten sechs Milliarden; wahrscheinlich aber auf die Verhinderung von Vermögensverkäufen durch die Yukos Finance B.V. Auf sie nämlich hatte man bisher keinen Zugriff. In Russland selbst war es Yukos gelungen, einige Aktiva zu veräußern.

Beunruhigung

Dass die Auslandsaktiva flöten gehen könnten, führte zuletzt zur Beunruhigung der jeweiligen Länder und westlichen Gläubigerbanken. Die größten Aktiva sind die 49 Prozent an der slowakischen Pipelinegesellschaft Transpetrol und 53,7 Prozent am litauischen Raffineriekonzern Mazeikiu Nafta. Die Yukos Finance B.V. schützt sich derzeit vor einem Zugriff auf die Aktiva, indem sie diese in einen Trust der Gesellschaft Amicus überführt.

Am aufgeregtesten ist die slowakische Regierung, die 51 Prozent an Transpetrol hält. Sie hat Yukos aufgefordert, seinen Anteil bis Jahresende abzutreten, andernfalls wolle man die Aktien gerichtlich beschlagnahmen. Auf diesen Yukos-Anteil hat nämlich laut Präsident Vladimir Putin auch die russische Gesellschaft Tatneft ein Auge geworfen. Der litauische Staat hat noch kein Ultimatum gestellt; zur Eile drängt aber auch er Yukos. (Eduard Steiner aus Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.10.2005)

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