Zahlen im Detail: Plus-Rekord für SPÖ, Minus-Rekord für FPÖ

19. Oktober 2005, 09:24
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SPÖ verlor nur an Nichtwähler - ÖVP mit erstem Plus seit 1956 - Anteile und Veränderungen seit 1945 - SPÖ hat erstmals seit 1987 wieder Absolute - Zweites Minus der Grünen seit 1999 - Mit Infografiken

Eisenstadt/Wien - Zwei Rekorde gab es bei der Landtagswahl im Burgenland: Die SPÖ fuhr das größte je im Land lukrierte Plus ein, die FPÖ das größte Minus. Ein weiterer Rekordwert ist die absolute Stimmenzahl der SPÖ: Erstmals hat eine Partei im Burgenland mehr als 100.000 Stimmen bekommen - und das laut vorläufigem Endergebnis ganz knapp mit 100.001.

Nicht überboten hat die SPÖ den bisherigen Beststand im Lande. Die Marke von 53,22 Prozent setzte sie selbst im Jahr 1982, der bis heute letzten Wahl, wo sie eine Absolute geschafft hatte. Zwar keinen Rekordwert, aber immerhin den ersten Zuwachs seit 1956 schaffte die ÖVP. Die frühere Landeshauptmann-Partei hat damit in den bisher 15 Landtagswahlen im Burgenland insgesamt nur drei Mal zugelegt.

Bei den Plus- und Minusrekorden haben SPÖ und FPÖ die Plätze getauscht: Bisher war die SPÖ die Partei, die das größte Minus (5,89 Prozentpunkte im Jahr 1987) einstecken musste - und die FPÖ hielt bisher mit 4,81 Prozentpunkten im Jahr 1996 den Zuwachs-Rekord.

Die FPÖ hat zwar das größte Minus der Zweiten Republik im Lande eingefahren. Dennoch rutschte sie nicht auf den Stand vor der Ära Haider ab: Damals war sie mit 2,97 Prozent (1982) gar nicht im Landtag vertreten. Schon in der ersten Wahl unter Bundesparteiobmann Jörg Haider, im Jahr 1987, lag die FPÖ mit 7,31 Prozent aber besser als heute.

Auch für die Grünen war das Burgenland ein hartes Pflaster. Erst bei ihrem vierten Antritt im Jahr 2000 schafften sie mit 5,49 Prozent den Einzug in den Landtag. Und jetzt bescherte ihnen das Burgenland nach einer langen Serie von Erfolgen seit 2000 sogar das zweite Minus nach der Steiermark-Wahl in der Vorwoche.

SPÖ verlor nur an Nichtwähler

Der SPÖ ist es bei der burgenländischen Landtagswahl mit Abstand am besten gelungen, ihre Wähler, die schon im Jahr 2000 rot gewählt haben, zu behalten. Das zeigt eine Wählerstromanalyse der burgenländischen Landes-EDV. Interessant: Die FPÖ verlor sehr stark an die ÖVP. Und: Frühere Nicht-Wähler haben diesmal sehr oft die SPÖ gewählt.

Die Zahlen im Detail: Fast 95 Prozent der früheren SP-Wähler haben auch diesmal rot gewählt, knapp über fünf Prozent sind diesmal nicht zur Wahl gegangen oder haben ungültig gewählt. Umgekehrt haben über 20 Prozent der Nicht-Wähler des Jahres 2000 diesmal die SPÖ von Landeshauptmann Hans Niessl gewählt. Drei Viertel der Nicht-Wähler des Jahres 2000 sind auch diesmal nicht zur Wahlurne geschritten.

Die ÖVP konnte zwar mit fast 95 Prozent auch viele Wähler des Jahres 2000 halten, verlor aber immerhin 3,9 Prozent an die SPÖ. Ihrerseits konnte sie von den vielen ehemaligen FP-Wählern profitieren, die diesmal auf dem "Markt" waren. 25 Prozent der Ex-Blauen wählten diesmal schwarz, knapp 52 Prozent wählten neuerlich die FPÖ und über 20 Prozent gingen nicht zur Wahl oder wählten ungültig.

Die Grünen konnten ihre Stammwähler nur zu 70 Prozent halten. Sie verloren zwar kaum an andere Parteien, über 25 Prozent verweigerten diesmal aber den Wahlgang.

SPÖ hat erstmals seit 1987 wieder Absolute

Noch etwas röter ist das seit 40 Jahren SPÖ-dominierte Burgenland mit der Landtagswahl am Sonntag, geworden. Denn die SPÖ unter LH Hans Niessl hat es geschafft, die 1987 verloren gegangene Absolute in Stimmen und Mandaten wiederzuerobern. Der ÖVP gelang ihr erster Zuwachs im Lande seit 1956. Dennoch liegt sie fast 16 Prozentpunkte (nach dem vorläufigen Endergebnis) hinter der SPÖ. FPÖ und Grünen gelang es, im Landtag zu bleiben - wobei die FPÖ kräftige Einbußen, die Grünen geringfügige Verluste hinnehmen mussten. Das im Frühjahr gegründete BZÖ trat im Burgenland nicht an.

Das Burgenland ist - neben Wien, Salzburg und Steiermark - eines der vier derzeit roten Bundesländer. Dort hatte sich 1964 der erste Machtwechsel der Zweiten Republik von der ÖVP zur SPÖ abgespielt. Seither war die SPÖ unangefochten stimmenstärkste Partei.

Bei den fünf ersten Wahlen der Zweiten Republik - von 1945 bis 1960 - wählten die Burgenländer "schwarz"; zwei Mal errang die ÖVP in diesen Jahren - in denen von 1945 bis 1956 auch die KPÖ und seit 1949 die FPÖ im Landtag vertreten waren - sogar die absolute Mehrheit. Danach ging es ständig bergab - bis 1964 die SPÖ schließlich stimmenstärkste Partei wurde.

Die SPÖ startete 1964 - unter Hans Bögl - mit der relativen Mehrheit und wurde dann unter Theodor Kery vier Mal mit der "Absoluten" ausgestattet. Diese verlor sie 1987 nach einer kräftigen Niederlage bei gleichzeitig deutlichem Zugewinn der FPÖ. Seither lag die SPÖ deutlich unter 50 Prozent; ihren bisher letzten Stimmenverlust musste sie 1996 hinnehmen.

Im Jahr 2000 hatte sie überraschend schon wieder zugelegt - obwohl eigentlich die ÖVP gehofft hatte, wieder die Mehrheit zu schaffen. Das gelang ihr nicht; sie verlor noch geringfügig und ging somit mit ihrem historisch schlechtesten Ergebnis in die heutige Wahl.

Die FPÖ war im Burgenland nicht durchgehend im Landtag vertreten. Bei drei Wahlen - 1968, 1977 und 1982 - gelang es ihr nicht, ein Mandat zu erringen. In der Ära Haider legten die Freiheitlichen - wie in den anderen Ländern auch - zu, bis auf fast 15 Prozent. 2000 mussten sie bereits einen ersten, noch relativ glimpflichen, Verlust hinnehmen. Diesmal verabschiedeten sich mehr als 50 Prozent ihrer früheren Wähler, obwohl das BZÖ gar nicht antrat.

Den Grünen gelang es im Burgenland erst bei der vorigen Wahl, Landtagspartei zu werden. Die heutige Landtagswahl bescherte ihnen nach einer langen Serie von Erfolgen seit dem Jahr 2000 das zweite Minus nach der Steiermark in der Vorwoche.

Zweites Minus der Grünen seit 1999

Keine Ausnahme war das Minus bei der Steiermark-Wahl für die Grünen. Sie haben auch bei der burgenländischen Landtagswahl heute, Sonntag, Stimmen verloren - wenngleich in wesentlich geringerem Ausmaß als vor einer Woche. Das war das zweite Minus seit 2000. Und ebenso wie in der Steiermark schafften die Grünen das Ziel, Drittstärkste zu werden, auch im Burgenland nicht. Die seit 2000 anhaltende Periode ständiger Zuwächse bei allen Landes- und Bundeswahlen ist beendet.

Immerhin blieben die Grünen im burgenländischen Landtag, in den sie erst bei der vorigen Wahl eingezogen waren. Aber sie verloren einige - 102 - Wähler. Was freilich nur ein Prozent Wählerschwund gegenüber 2000 bedeutet. In der Steiermark waren es immerhin zwölf Prozent, die sich verabschiedeten.

In allen anderen Wahlen unter der schwarz-blauen Bundeskoalition haben die Grünen - meist sehr deutlich - zugelegt. In der ersten Landtagswahlrunde nach 2000 konnten die Grünen die Zahl ihrer Wähler um mehr als 50 Prozent steigern. In drei Bundesländern - Niederösterreich, Oberösterreich, Tirol - schafften sie es, vor der FPÖ den dritten Platz zu erringen. In Oberösterreich gibt es seit der Wahl 2003 sogar die erste schwarz-grüne Regierung. (APA)

  • Absolute Mehrheiten in Landtagen

    Absolute Mehrheiten in Landtagen

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    Landtagswahlen im Burgenland seit 1945

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